Stadt Hanau: Klimaanpassung und Gesundheit im Stadtteil Großauheim

Die Stadt Hanau hat im Rahmen des Projekts „Klimaanpassung Großauheim – Fokus Gesundheit“ für den dicht besiedelten Stadtteil Großauheim diverse Anpassungsmaßnahmen auf den Weg gebracht, die Bürger*innen für das Thema sensibilisieren sollen und zum Schutz der Bevölkerung beitragen sollen. In den Projektphasen wurden Bürger*innen in diversen Formaten miteinbezogen. 

Grünes Mainufer in Hanau (Stadt Hanau)

Grünes Mainufer in Hanau (Stadt Hanau)

Temperaturermittlung Spessarthaltestelle (Stadt Hanau)

Temperaturermittlung Spessarthaltestelle (Stadt Hanau)

Informationsstand zum Projekt (Stadt Hanau)

Informationsstand zum Projekt (Stadt Hanau)

Pinguinbrunnen (Stadt Hanau)

Pinguinbrunnen (Stadt Hanau)

Titelblatt Informationsbroschüre "Klimawandel und Gesundheit" (Stadt Hanau)

Titelblatt Informationsbroschüre "Klimawandel und Gesundheit" (Stadt Hanau)

Förderprogramm
Seit 2017: Richtlinie des Landes Hessen zur Förderung von kommunalen Klimaschutz- und Klimaanpassungsprojekten sowie von kommunalen Informationsinitiativen“
Themenfeld
Alte Menschen
Bevölkerungsschutz und Gesundheit
Hitze und Trockenheit
Kinder und Jugendliche
Partizipation, Bildung
Stadtplanung
Überflutung
Name der Gebietskörperschaft / Einrichtung
Hanau
Bundesland
Hessen

Ziele und Aktivitäten

Motivation

Durch den Klimawandel vermehrt auftretende Extremwetterereignisse führen nicht nur zu immensen Schäden an der Infrastruktur, sondern gefährden auch das Wohlbefinden der Bevölkerung. Das gesamte Rhein-Main Gebiet ist klimatisch stark belastet. Ein Indiz dafür ist bspw. die vom ADAC Hessen-Thüringen registrierte steigende Zahl an Autounfällen bei Hitze, was auf die schwindende Konzentration bei Fahrer*innen zurückzuführen ist. In städtischen Bereichen wirken sich die Folgen des Klimawandels besonders stark aus. Bei Hitze heizen sich Städte aufgrund der dichten Bebauung schneller auf und kühlen nachts weniger ab, was dementsprechend auch im stark urbanisierten Rhein-Main-Gebiet mit rund 5,7 Millionen Einwohner*innen spürbar ist. Bei Regen bzw. Starkregen steigt die Gefahr von Hochwassern, da die Versiegelung das Versickern der Wassermassen verhindert. 

Gerade der bevölkerungsstärkste Stadtteil Hanaus, Großauheim, bringt durch die Lage am Main ein besonders hohes Hochwasserrisiko mit. Zudem gilt Großauheim auch als thermischer Belastungsraum im Sommer. Der Hitzesommer 2018 kann dabei als Fingerzeig für zukünftige Hitze-Szenarien in der Stadt gesehen werden. Um die Gesundheit der Bevölkerung Hanaus zu schützen, wurde ab 2018 ein Konzept mit dem Fokus Klimaanpassung und Gesundheit für den Stadtteil Hanau-Großauheim entwickelt. Darin wird die Bevölkerung für das Thema Klimaanpassung sensibilisiert. Gleichzeitig wurden durch das Konzept konkrete Maßnahmen auf den Weg gebracht. Im Sinne der Umweltgerechtigkeit soll das Konzept gerade Menschen schützen, die (gesundheitlichen) Mehrfachbelastungen ausgesetzt sind. Die Meinungen und Ängste besonders vulnerabler Gruppen wurden bei der Konzepterstellung daher in besonderem Maße angehört und einbezogen. Bürger*innen wurden bei der Konzepterstellung nicht nur beteiligt, sie sollten auch über eigene Handlungsmöglichkeiten informiert werden, sodass proaktiv gehandelt werden kann. 

Spezifikation

Das Projekt „Klimafolgenanpassung Hanau-Großauheim – Fokus Gesundheit“ für den Stadtteil Hanau-Großauheim ist in den seit 2014 laufenden Stadtentwicklungsprozess (SteP) eingebunden und wurde 2016 erstmals vorgestellt. Im Jahr 2019 wurde ein Abschlussbericht vorgelegt. Seitdem befinden sich die Maßnahmen in der Umsetzung. 

Zunächst wurden Analysen über die Betroffenheit von Extremwetterereignissen des Stadtteils Großauheim durchgeführt, die als Basis für das Projekt dienten. Zudem wurden relevante Institutionen kartografiert und ein Überblick über den ÖPNV geschaffen. Dabei standen die für vulnerable Gruppen besonders wichtigen Einrichtungen im Fokus. Es wurde deutlich, dass gerade an den Rändern des Stadtteils vulnerable Gruppen weniger Versorgungsmöglichkeiten in nächster Nähe haben und auf ÖPNV angewiesen sind. Die Nahversorgung ist bspw. für ältere Menschen oder Menschen mit Behinderung besonders wichtig, weil weite Wege bei Hitzeereignissen zu zusätzlichen Belastungen führen. 

Mit dem Ziel wichtige Akteure für die Klimaanpassung zu identifizieren und gemeinsam Maßnahmenvorschläge zu erarbeiten, wurden im Jahr 2018 verschiedene Veranstaltungsformate für unterschiedliche Zielgruppen angeboten und die Ergebnisse zusammengetragen. 

Zunächst wurden ab Jahresbeginn 2018 Workshops mit unterschiedlichen Personengruppen durchgeführt. Dazu gehörten beispielsweise Mitglieder*innen des Ortsbeirats, Vertreter*innen lokaler Institutionen wie Kirchen, Gewerbevereinen oder Sportvereinen sowie interessierte Bürger*innen. Die Öffentlichkeit wurde u. a. mit Flyern, Internetpräsenz oder Informationsständen angesprochen. Bei den Workshops konnten Bürger*innen ihre Erfahrungen mit Klimawandelfolgen äußern und diskutieren. Als besonders belastend wurden dabei Hitzeereignisse empfunden. Gerade ältere Menschen forderten hier Unterstützung und Tipps seitens der Stadt. Außerdem nannten Bürger*innen Extremwetter als spürbare Auswirkung des Klimawandels. Zudem fanden verwaltungsinterne Workshops statt, um den bisherigen Stand der Klimaanpassung zu erörtern. Schließlich wurden in zwei Werkstattgesprächen Vorschläge erarbeitet, welche Klimaanpassungsmaßnahmen im Stadtteil Hanau-Großauheim umgesetzt werden können, um die Bevölkerung bestmöglich zu schützen. Beispielsweise wurden die Installation von schattenspendenden Buswartehäuschen, die Beschattung von Kitas, Spielplätzen und anderen öffentlichen Orten sowie die Entsiegelung des Stadtteils vorgeschlagen. Zudem wurden vorgeschlagen, dass Informationen über kühle Orte gesammelt und öffentlich zugänglich gemacht werden. Zudem fanden verwaltungsinterne Workshops statt, um den bisherigen Stand der Klimaanpassung zu erörtern. Die Ergebnisse der Bürger*innenbeteiligung wurden schließlich im September 2018 vorgestellt. Außerdem wurden die Ergebnisse durch Informationsstände beim Stadtteilfest und Vorträge multipliziert, um möglichst viele Bürger*innen auch aus anderen Stadtteilen zu erreichen und zu sensibilisieren. 

Im Abschlussbericht des Projekts wurden die erarbeiteten Maßnahmen in folgende Handlungsfelder aufgeteilt: Gesundheit, Fassaden- und Dachbegrünung, Verschattungselemente, Straßenbegleitende Begrünung, Oberflächenabstrahlung und flächenhafte Entsiegelung und Begrünung. Daran anschließend werden 13 Einzelmaßnahmen vorgestellt, die ab 2019 umgesetzt werden. 

Erkenntnisse

Projektergebnisse

Einige der beschlossenen Einzelmaßnahmen werden bereits umgesetzt bzw. befinden sich in der Umsetzung.  

So wurde 2019 eine Informationsbroschüre zum Thema Klimawandel, dessen Auswirkungen auf die Stadt Hanau und mögliche Klimaanpassungsmaßnahmen veröffentlicht und vervielfältigt. Darin werden Erklärungen und Verhaltenstipps für die Szenarien Hitze und Trockenheit sowie Extremwetter zur Verfügung gestellt. So verweist die Broschüre bspw. auf die Gefahr von Sonnenbrand je nach Hauttyp, erläutert die Gefahren von übermäßiger Anstrengung bei Hitze oder die Ausbreitung von Zecken rund um Hanau. 

Zudem wurde Informationskampagne „Der Eisbär schwitzt. Echt jetzt?“ kontinuierlich mit einem jährlichen Schwerpunktthema durchgeführt. Dabei handelt es sich um eine kostenlose Vortrags- und Exkursionsreihe zu den Themen Gesundheit und Klimawandel in Zusammenarbeit mit der Volkshochschule Hanau. 2021 wurde die Kampagne aufgrund der Corona-Pandemie digital durchgeführt. Im Jahr 2023 wurden im Rahmen dessen Waldspaziergänge, der Besuch eines Waldspaziergangs und Vorträge zum Thema Wald für interessierte Bürger*innen angeboten. 2024 beschäftigen sich die Veranstaltungen mit dem Thema „Ernährung und Klima“. Bürger*innen, die die Veranstaltungen regelmäßig besucht haben, konnten sich als ehrenamtliche „Gesundheitsbotschafter*innen im Klimawandel“ zertifizieren lassen und andere Bürger*innen in Gesprächsrunden über die Auswirkungen des Klimawandels auf die menschliche Gesundheit und mögliche Vorkehrungen aufklären. Außerdem wurde in Zusammenarbeit mit den örtlichen Vereinen ein Netzwerk aufgebaut, das für die Thematik sensibilisiert. 

Herausforderungen

Informationen zu den Themen Klimawandel und Gesundheit und konkrete Hinweise beispielsweise zum Umgang mit Hitze oder Extremwetterereignissen oder konkrete Beispielprojekte aus anderen Kommunen waren vor dem Projektstart 2017/2018 nur vereinzelt verfügbar. 

Bei der Vorbereitung des Projektes wurde daher u.a. auf Erkenntnisse der europäischen Nachbarn Österreich, Frankreich und Niederlande zurückgegriffen. Trotz deutlicher Hinweise der Weltgesundheitsorganisation WHO auf die Relevanz von Hitzeaktionsplänen nach dem Hitzesommer 2003 wurde seitens des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit erst 2017 ein Handlungsleitfaden für die Erstellung von Hitzeaktionsplänen herausgegeben.

In der Planungspraxis spielte der Ansatz, bei der Planung von Straßen, Plätzen oder Baugebieten besonders auf die gesundheitlichen Aspekte zu achten, eine untergeordnete Rolle. Schutz vor Hitze – sowohl bei Gebäuden als auch Spielplätzen, Straßen und Stadtplätzen war nicht besonders im Fokus.

Eine Herausforderung bei dem Projekt „Anpassung an den Klimawandel in Großauheim – Fokus Gesundheit“ war, auch die Menschen einzubeziehen, die sonst nur schwer erreichbar sind.  Die Stadt Hanau ging hierfür auf unterschiedliche Weise direkt auf Bürger*innen zu.

Bei der Umsetzung gibt es weiterhin Hindernisse, die finanzieller Natur sind oder sich dadurch ergeben, dass gesetzliche Rahmenbedingungen, Anpassungsmaßnahmen in Planungsprozessen zu beachten, nicht vorhanden sind. Hier sind jedoch inzwischen Veränderungen im Verständnis der Notwendigkeit auch auf kommunaler Seite zu beobachten, die evtl. die künftige Umsetzung von Maßnahmen erleichtern werden.

Erkenntnisse

Vor Durchführung des Projektes stand das Thema Gesundheit in Verbindung mit der Anpassung an den Klimawandel leider nicht im öffentlichen Fokus. Durch die Hitzesommer 2018 und 2019 in Deutschland aber auch ganz konkret in Hanau wurde die Relevanz des Themas schlagartig deutlich.  Da das Projekt „Anpassung an den Klimawandel in Großauheim – Fokus Gesundheit“ als Beteiligungsprozess im Rahmen der Stadtteilentwicklung durchgeführt wurde, konnten in besonderer Weise die Erfahrungen, Wünsche, Ängste und Bedürfnisse der Bürger*innen des Stadtteils einfließen. 

Der Beteiligungsprozess bezog sich nicht allein auf die Mitglieder der Arbeitsgruppe bei der Stadtteilentwicklung, sondern bezog durch Präsenz von Informationsständen auf einem Stadtteilfest, einem Straßenfest und informellen Befragungen auch Menschen mit ein, die im Rahmen von strukturierten Informationsveranstaltungen oder bei Fragebogenaktionen nur schwer zu erreichen sind. Genau dieser Ansatz hat jedoch die Einbeziehung sehr unterschiedlicher Bevölkerungsgruppen erst möglich gemacht und wertvolle Erkenntnisse geliefert.

Da das Thema Gesundheit alle Menschen betrifft und sowohl umfangreiche eigene Erfahrungen als auch Erfahrungen mit Familienangehörigen sowie aus dem Bekanntenkreis vorhanden sind, gibt es hier viele Anknüpfungspunkte.

Eine wichtige Erkenntnis aus diesem Projekt war auch, dass Klimaschutzmaßnahmen und Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel als zwei Seiten einer Medaille angesehen wurden. Die häufig bis vor kurzem im politischen Diskurs geäußerte Ansicht, dass Anpassung an den Klimawandel und Maßnahmen zum Klimaschutz unterschiedlich zu bewerten seien, konnte nicht festgestellt werden.

Eine weitere Erkenntnis war, dass die Beteiligten Wert auf kommunale Informationen legen. Informationen zum Verhalten bei Hitze, Extremwetter, etc. von unterschiedlicher Seite stehen durchaus zur Verfügung. Die Teilnehmenden am Projekt sprachen sich trotzdem für die Erstellung einer eigenen Informationsbroschüre zu „Klimawandel und Gesundheit – Tipps und Hinweise“ aus und wirkten an der Erstellung mit.

Im Auftrag des:

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