Stadt Hennef - Klimafolgenanalyse und Erstellung eines integrierten Klimaanpassungskonzeptes

Innerhalb von zwei Jahren hat die Stadt Hennef ein integriertes und nachhaltiges Klimaanpassungskonzept erarbeitet. Federführend erstellt wurde das Konzept von der Klimaanpassungsmanagerin, mit Beteiligung von Akteuren aus der Verwaltung und der Öffentlichkeit. Neben einer ausführlichen Analyse der Auswirkungen des Klimawandels bezogen auf Hennef, definiert das Konzept strategische und operative Ziele sowie konkrete Maßnahmen für die Anpassung an die möglichen Folgen. Das Klimaanpassungskonzept zeigt den Weg für die Stadt Hennef auf, ihre Verwundbarkeit gegenüber dem Klimawandel zu reduzieren.

In Diagrammform sind die Arbeitsschritte mit den jeweiligen Zuständigkeiten für Verwaltung, Projektstakeholder:innen und Bürger:innen. Die zeitliche Planung erstreckt sich von Juni 2023 bis Juli 2025.

Konzepterstellungsprozess mit den jeweiligen Zuständigkeiten. Quelle: Stadt Hennef.

Titelbild der Klimaanpassungsstrategie. Im Hintegrund ist eine überflutete Flusslandschaft an einer Stadt zu sehen. Im Vordergrund der Bannder mit dem Titel und verschieden Klimaanalysekarten.

Titelbild der Klimaanpassungsstrategie. Quelle: Stadt Hennef.

Karte der verschiedenen Fokusräume für Hitze-, Hochwasser- und Starkregenvorsorge. Außerdem eingezeichnet sind neben den Siedlungsflächen noch die Fokusräume für Kaltluftzufuhr und wertvolle Freiräume.

Fokusraumkarte in dem Konzept. Quelle: GIGeoinformatik, Stadt Hennef.

Förderprogramm
Förderung von Maßnahmen zur Anpassung an die Folgen des Klimawandels DAS-A.1 Erstellung eines Nachhaltigen Anpassungskonzepts (Erstvorhaben) zum Einstieg in das kommunale Anpassungsmanagement“ (Förderkennzeichen: 67DAA00251) des BMUKN
Themenfeld
Bevölkerungsschutz und Gesundheit
Graue Infrastruktur
Grüne Infrastruktur
Hitze und Trockenheit
Stadtplanung
Überflutung
Laufzeitbeginn
01/2023
Laufzeitende
05/2025
Name der Gebietskörperschaft / Einrichtung
Stadt Hennef
Bundesland
Nordrhein-Westfalen

Ziele und Aktivitäten

Motivation

Auch in Hennef werden die Auswirkungen des Klimawandels spürbar. Insbesondere Hitze und Phasen langer Trockenheit aber auch Starkregenereignisse haben die Stadt erreicht. Hennefs Bürgermeister Mario Dahm äußerte sich hierzu: “Das Klima wandelt sich. Das ist kein Gefühl, sondern messbare Realität.” Laut Dahm müsse die Stadt zielgerichtet handeln, um sich auf die Klimafolgen vorbereiten zu können und resilienter zu werden. Ziel ist dadurch eine Steigerung der Sicherheit und Lebensqualität sowohl in der Gegenwart als auch in der Zukunft. Da diese Aufgabe umfangreich und langfristig angelegt ist, braucht es ein Klimaanpassungskonzept und ein entsprechendes Management in der Stadtverwaltung, um dieses auch umzusetzen. 

Spezifikation

Zu Projektbeginn im Jahr 2023 lagen der Stadt Hennef bereits ausführliche Datengrundlagen vor. So verfügte die Stadt bereits über eine Stadtklimaanalyse aus dem Jahr 2021, einen Hitzeaktionsplan und eine Starkregengefahrenkarte jeweils von 2023. Ziel des Projektes war eine systematische Zusammenführung dieser Daten und eine integrierte Betrachtung aller Klimaanpassungsbelange. Hieraus sollte eine Gesamtstrategie für die kommunale Klimaanpassung ausgearbeitet werden. Im Vordergrund standen die Formulierung von Anpassungsbedarfen, das Ableiten von thematischen und räumlichen Schwerpunkten und das Formulieren von realistischen Zielen und Maßnahmen in Zusammenarbeit mit den Fachämtern. 

Zudem sollten externe Akteur:innen, die Politik und interessierte Bürger:innen in der Erarbeitungsphase explizit mit einbezogen werden, um sowohl Akzeptanz und Wirksamkeit von Maßnahmen zu erhöhen als auch das private Engagement zur Eigenvorsorge und Eigenschutz der Bevölkerung zu aktivieren. Im Zuge dessen wurden in den verschiedenen Phasen des Projektes unterschiedliche zielgruppenspezifische Formate umgesetzt. Von verwaltungsinternen Arbeitsgruppen, über Infostände auf Veranstaltungen, Online-Umfragen der Bevölkerung, einem Bürger:innenforum bis hin zu Fachgesprächen wurden unterschiedliche Themenfelder und Zielgruppen adressiert. Das Vorgehen in der Beteiligungsstrategie im Konzepterstellungsprozess ist graphisch in Abbildung 1 dargestellt. 

Das Gesamtvorhaben war in die folgenden Arbeitspakete gegliedert, die teilweise parallel bearbeitet wurden: 

  • Bestandsaufname 
  • Betroffenheitsanalyse 
  • Aufnahme der Hotspots 
  • Gesamtstrategie 
  • Akteursbeteiligung 
  • Maßnahmenkatalog 
  • Verstetigungsstrategie 
  • Controlling- Konzept 
  • Kommunikationsstrategie 
  • Anschlussvorhaben A.2 

Erste Meilensteine waren die Bestands- und Betroffenheitsanalysen: Hierbei wurden bereits vorhandene Strukturen und Aktivitäten zusammengetragen. So konnte die Anpassungskapazität Hennefs bestimmt werden. Für die Betroffenheitsanalyse wurden Grundlagendaten unterschiedlicher Klimabelange gebündelt und auf Hennef zugeschnitten interpretiert. Angeschaut wurden hierfür die Entwicklung und Prognose regionaler und lokaler Klimadaten und -kennwerte, spezifische Ausprägung von Klimawirkungen in der Kommune sowie räumliche Analysen u. a. zu Starkregen, Hitze, Dürre & Trockenheit und Hochwasser. 

Durch die Verschneidung der räumlichen Daten entstand als zentrales Ergebnis eine Fokusraumkarte, die die Hot Spots der einzelnen Klimabelange integriert darstellt und somit Mehrfachbelastungen sowie prioritäre Handlungsräume aufzeigt. Sie dient damit als räumliche Gesamtstrategie: Maßnahmen und Pilotprojekte sollen vorrangig in den Fokusräumen verortet werden.  

Basierend auf den Ergebnissen der Beteiligungsformate ließen sich strategische Ziele für die Stadt Hennef formulieren und Maßnahmenideen konkretisieren. Das Festlegen der Maßnahmen und operativer Ziele für das schriftliche Konzept wurde verwaltungsintern und in enger Absprache mit den Ämtern und Fachbereichen vorgenommen und durch politische Gremienarbeit geschärft. 

Das Klimaanpassungsmanagement erarbeitete auf Grundlage der Erkenntnisse des gesamten Prozesses Teilstrategien zur Verstetigung, zum Controlling und zur Kommunikation. Frühzeitig wurde das Anschlussvorhaben für die Förderung der Personalstelle für weitere drei Jahre vorbereitet und beantragt, sodass mit Abschluss des Erstvorhabens ein nahtloser Übergang in die Anschlussförderung möglich war. 

Kooperation und Vernetzung

An den verwaltungsinternen Workshops und Formaten nahmen diverse Fachämter und -bereiche teil, u. a. Stadtplanung, Tief- und Hochbau, Entwässerung, Katastrophenschutz, Umweltamt, aber auch aus den sozialen Bereichen Jugend- und Schulamt, aus Organisationseinheiten, z. B. Förderabteilung, Öffentlichkeitsabteilung, oder Dezernenten und der Bürgermeister. Die Vertreter:innen der genannten Verwaltungseinheiten sind Teil der Steuerungsgruppe Klimaanpassung, die im Zuge des Prozesses etabliert wurde. Die bereits vor dem Vorhaben bestehende Arbeitsgruppe zum Hochwasser- und Starkregenmanagement wurde fortgesetzt. 

Zudem fanden während der Konzepterstellung bilaterale Abstimmungs- und Austauschgespräche sowie fachübergreifende Treffen zu spezifischen Themen der Klimaanpassung statt. Interne Arbeitsgruppensitzungen (Planung-Technik-Runde, Schulleiterbesprechung, Arbeitskreis Verkehr) wurden genutzt, um das Klimaanpassungsmanagement und seine Aufgaben vorzustellen und Inhalte der Klimaanpassung einzubringen. 

Der Prozess der Erstellung des Klimaanpassungskonzeptes wurde durch externe Dienstleister unterstützt: Die Akteursbeteiligung durch IMAP GmbH, Düsseldorf, die Erarbeitung der Fokusraumkarte durch GI Geoinformatik GmbH, Augsburg und das finale Layout des Berichtes durch Pfeffer & Stift. Die öffentlichen Veranstaltungen wurden unterstützt durch die Verbraucherzentrale NRW, dem LANUK und der DWA. Interessierte Bürger:innen, engagierte Politiker:innen und Verwaltungsmitarbeitende haben wesentlich zum Erfolg des Projektes beigetragen. 

Erkenntnisse

Projektergebnisse

Das Klimaanpassungskonzept wurde planmäßig zu Ende Juni 2025 fertiggestellt. Im Mai 2025 wurde das Konzept im Fachausschuss für Umwelt, Energie und Klimaschutz beraten und Mitte Juni einstimmig vom Stadtrat beschlossen und damit die Umsetzung einer Gesamtstrategie zur Anpassung der Stadt an die Auswirkungen des Klimawandels, einschließlich der sich hieraus abgeleiteten Ziele, Maßnahmenpakete und Controllingstrategie. 

Die Anschlussförderung zur Finanzierung der Stelle der Klimaanpassungsmanagerin für eine erste Umsetzungsphase des Konzeptes der nächsten drei Jahre konnte ebenfalls gesichert werden. 

Herausforderungen

Dadurch, dass der Stadt bereits eine ausführliche lokale Datengrundlage zur Verfügung stand, war bei der Umsetzung des Vorhabens die Unterstützung durch einen externen Dienstleister lediglich in einem geringen Umfang eingeplant. Die Analyse, die Akteursbeteiligung und der schriftliche Bericht sollten demnach planmäßig durch das Klimaanpassungsmanagement umgesetzt werden. Erfreulicherweise konnte das Budget für die Unterstützungsleistung zur Akteursbeteiligung durch eine Umwidmung von Geldern durch die ZUG etwas erhöht werden. Der Prozess war dennoch herausfordernd, da sich die Verantwortung allein auf die Klimaanpassungsmanagerin beschränkte. Diese konnte als Berufsanfängerin und Verwaltungsquereinsteigerin wenig Erfahrung und Beispiele anderer Kommunen und Klimaanpassungsmanager:innen nutzen, da sich das Vorgehen in Hennef deutlich unterschied. Die umfangreiche Ausschreibung und Vergabe wurde hier an einen Dienstleister abgegeben, wodurch der Austausch zur Analyse in Eigenregie mit anderen  Klimaanpassungsmanager:innen nur eingeschränkt möglich war und die Unterstützungsleistungen unterschiedlicher Anbieter hierauf nicht explizit ausgelegt waren. Auf individuelle Anfragen konnte aber gut eingegangen werden. 

Im Prozess der Erstellung des Konzeptes haben sich Grenzen für die Mobilisierung der Zivilgesellschaft herausgestellt. Es wurde deutlich, dass losgelöst von akuten Hochwasserkatastrophen und ausgeprägten Hitzeperioden das Thema Klimaanpassung in der Bürger:innenschaft nicht so ein großes Mobilisierungs- und Beteiligungspotential entfaltet wie andere Politikfelder. Die Zustimmung zu den Maßnahmen ist gemeinhin zwar hoch, allerdings fehlen auch die Kontroversen wie man sie aus den Bereichen Verkehrspolitik, Wärmewende und Windkraft kennt. Das ist einerseits erfreulich, mitunter bewirkt das Fehlen dieser Reizthemen allerdings eine unter den Erwartungen bleibende Beteiligung. Wie bei vielen Vorsorgethemen gilt auch in der Klimaanpassung der alte Stoßseufzer des britischen Epidemiologen Geoffry Rose (+1993): „Theres is no glory in prevention.“ 

Erkenntnisse

Eine systematische und methodisch durchdachte Herangehensweise sowohl bei der Bestandsanalyse als auch bei der Akteursbeteiligung hat sich von großer Bedeutung herausgestellt. Dafür sollte man sich am Anfang des Projektes Zeit nehmen und am besten auch die passenden Ansprechpartner:innen in der Verwaltung mobilisieren. Besonders hilfreich sind dabei Mitarbeitende der Öffentlichkeitsabteilung oder eine zentrale Person, die in der Verwaltung und in der Stadt gut vernetzt ist. Früh sollte man hier zusammen eine kleine Akteursanalyse erarbeiten: Wer soll innerhalb und außerhalb der Verwaltung erreicht werden, welche Informationen braucht man und von wem, welche Perspektiven sollten miteinfließen? Darauf aufbauend sollte die Akteursbeteiligung konzipiert werden – ein grober Plan, der im Laufe des Prozesses nach Bedarf weiter angepasst werden kann. Eine zeitliche Komponente mit groben Termindaten ist hier ebenfalls sinnvoll für die eigene Planung und zur Kommunikation. Am Ende des Projektes kann man so auch sehr gut analysieren, welche Zielgruppen vielleicht noch zu kurz gekommen sind und ggf. in der Anschlussphase durch spezifische Formate einbezogen werden sollten.  

Retrospektiv ist klar, Information ist Schlüssel für Ansatzpunkte zur Klimaanpassung: Essenziell für die Klimaanpassungsmanager:innen ist es, von Verwaltungsprozessen zu wissen, die gerade (an)laufen oder auch nicht laufen und warum nicht. Wenn hier beispielsweise durch die Integration von Klimaanpassungsaspekten bestimmte Mehrarbeit anfällt, die von den Fachabteilungen nicht selbst getragen werden kann, eröffnet sich die Möglichkeit, auszuhelfen bzw. die Unterstützung direkt im Anschlussvorhaben mitzudenken. 

Die Möglichkeit, im Projektzeitraum Fortbildungen wahrzunehmen, sollte durch das Klimaanpassungsmanagement genutzt werden. Das sollte auch bereits bei der Antragstellung mitgedacht werden. Welcher Schwerpunkt der Fortbildungen bevorzugt wird, hängt dann vom fachlichen Hintergrund der zuständigen Person und ggf. von dem fachlichen Bedarf der Kommune ab. Besonders empfehlenswert sind auch Fortbildungen zu Soft-Skills: Projektmanagement, Kommunikation, Sprachtraining etc. Auch die vielen kostenlosen Online-Seminare von unterschiedlichen Stellen (ZKA, Verbraucherzentrale usw.) können immer wieder neue und hilfreiche Impulse liefern und lassen sich auch gut in die Verwaltung streuen.  

Die Vernetzung mit anderen Kommunen und Klimaanpassungsmanager:innen und die Beratung durch externe Stellen sind in allen Phasen eine gute Sache. Mittlerweile gibt es verschiedene schon gut organisierte Netzwerke auf Kreis-, Regions-, Landes- oder Bundesebene. Die Kompetenzzentren (in NRW die Kommunalagentur NRW, das LANUK, die Verbraucherzentrale NRW, das Fördermittelmanagement der Region Köln Bonn e. V. oder die Beratungsstelle des ZKA) sind immer gute Ansprechpartner, wenn es um Fragen oder auch Unterstützungsanfragen für Veranstaltungen geht. 

Der unmittelbare Handlungsrahmen bleibt naturgemäß auf die kommunale Ebene beschränkt. So bleibt das Thema Gesundheit und persönliche Vorsorge hauptsächlich in der Zuständigkeit des Landkreises. Im Prozess war es wichtig, diese Grenzen anzuerkennen und zu vermitteln. 

Um das Dauerthema Klimaanpassung in die relevanten Ressorts wie Städtebau, Infrastruktur und Finanzen einzubringen, lohnt es sich, auch abseits konkreter Projektpläne, Arbeitskreise zu bilden, um das Thema in verschiedenen Facetten wachzuhalten und zu verstetigen. 

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