Berlin-Marzahn - Bürgerrat zu Hitzeschutz im Projekt Klima trifft Kommune
Im Rahmen des Projekts „Klima trifft Kommune“ entwickelten per Los ausgewählte Einwohner*innen in Marzahn-Hellersdorf im Herbst 2025 Vorschläge, wie der Bezirk den Hitzeschutz verbessern kann. Anschließend erfolgte eine Einwohnerbefragung über die Empfehlungen des Bürgerrates. Die Ergebnisse des Bürgerrates und der Befragung wurden Ende Mai 2026 in Form eines Bürgergutachtens der Bezirksverordnetenversammlung vorgestellt. Das Bezirksamt hat sich verpflichtet, die Ergebnisse als Grundlage für seine Entscheidungen zum Hitzeschutz zu nutzen.
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Ziele und Aktivitäten
Die Anforderungen im Bereich Klimaschutz werden immer größer und stellen auch Kommunen vor wachsende Herausforderungen. In einem bundesweiten Modellprojekt begegnet „Klima trifft Kommune“ Herausforderungen wie diesen mit demokratischer Innovation: In vier Partnerkommunen werden Klima-Bürgerräte umgesetzt: Zufällig ausgeloste Teilnehmende diskutieren über ein kontroverses, vor Ort festgelegtes Thema.
Eine der Partnerkommunen des Projekts ist Marzahn-Hellersdorf. Dieser Bürgerrat, der sich mit dem Thema Hitzeschutz befasst, ist der erste seiner Art in dem Bezirk. Vom 7. bis 22. November 2025 wurde in insgesamt drei Bürgerrats-Sitzungen über verbesserten Hitzeschutz diskutiert. Fachlicher Input kam dabei von verschiedenen Organisationen, die sich mit dem Hitzeschutz in Marzahn-Hellersdorf befassen. Die Teilnehmenden des Bürgerrates wurden so ausgewählt, dass sie die Vielfalt der Bevölkerung abbilden – etwa nach Alter, Geschlecht und weiteren sozio-demografischen Merkmalen.
Ziel des Bürgerrates ist es, den Hitzeschutz in Marzahn zu verbessern. Hierfür wurden 28 verschiedene Maßnahmen durch den Bürgerrat formuliert und priorisiert. Der Erhalt von Bäumen und Grünflächen, das Aufstellen neuer Wasserspender und die Zusammenarbeit mit Wohnungsbaugesellschaften für einen besseren Hitzeschutz in deren Liegenschaften stieß dabei auf besonders große Zustimmung unter den Mitgliedern.
Zudem stehen 2026 konkret 100.000 Euro zur Verbesserung des Hitzeschutzes im Bezirk zur Verfügung. Der Bürgerrat empfiehlt, dieses Geld vor allem für neue Sitzbänke und zum Erhalt von Bäumen und Grünflächen zu verwenden. Zudem soll der zentrale Barnimplatz möglichst hitzesicher umgestaltet werden.
Vorgehensweise und Meilensteine des Projekts:
- 17.06.2025: Bezirk Marzahn-Hellersdorf beschließt Teilnahme am Modellprojekt „Klima trifft Kommune“
- 29.10.2025: 30 ausgeloste Teilnehmende stehen fest
- 07.11.2025: erste Sitzung des Bürgerrates
- 08.11.2025: zweite Sitzung
- 22.11.2025: dritte und letzte Sitzung, Priorisierung der erarbeiteten Empfehlungen
- 21.02.2026: Veranstaltung eines Bürger-Cafés im Bezirk, um das Projekt den Menschen vor Ort zugänglicher zu machen.
- 26.05.2026: Ergebnisse der Einwohnerbefragung zu den Empfehlungen des Bürgerrats liegen vor
- 26.05.2026: Vorstellung der Ergebnisse gegenüber der Bezirksverordnetenversammlung
Erstmals eingebracht wurde die Idee durch die Bürgerinitiative „Demokratie. Gerechtigkeit. Bürgerräte Marzahn-Hellersdorf“, die sich seit vielen Jahren für eine Verankerung von Bürgerräten im Bezirk einsetzt. Durchgeführt wird das Projekt von Mehr Demokratie e.V. und der Gesellschaft für Klima und Demokratie. Die Berliner Energieagentur übernahm die Moderation der Sitzungen des Bürgerrates. Innerhalb des Bezirks war der Klimabeauftragte Dominik Chadid mit in alle Planungen eingebunden. Die Bezirksbürgermeisterin Nadja Zivkovic nahm ebenfalls vor Ort teil und drückte ihre große Unterstützung für das Vorhaben aus. Zudem wurde das „Institut für Demokratie- und Partizipationsforschung (IDPF) der Bergischen Universität Wuppertal“ eingebunden, um den Prozess zu protokollieren und die Qualität zu überwachen. Zwischen allen Organisationen gab es regelmäßige Absprachen zur Vorbereitung, Durchführung und Nachbereitung.
Erkenntnisse
Nach der Durchführung und Auszählung der Einwohnerbefragung wurden die Ergebnisse des Bürgerrats Ende Mai der Bezirksverordnetenversammlung vorgestellt. Das Bezirksamt hat sich verpflichtet, die Ergebnisse als Grundlage für seine Entscheidungen zum Hitzeschutz zu nutzen.
Bei der Einwohnerbefragung hat eine deutliche Mehrheit für die vom Bürgerrat empfohlenen Maßnahmen gestimmt. Am meisten Zustimmungen erhielten u. a. die Empfehlungen für neue Sitzbänke auf öffentlichen Flächen (85 %), die Nutzung von Grünflächen als Wildblumenwiesen (83 %) und das Bereitstellen von Trinkwasserspendern in öffentlichen Gebäuden (81,4 %). 84,9 % der Teilnehmenden empfinden Hitzeschutz als wichtiges Thema. 1650 Menschen, das sind 8,7 % der Einwohner*innen von Marzahn, haben an der Befragung teilgenommen.
Es musste sichergestellt werden, dass es genügend Menschen gibt, die am Bürgerrat teilnehmen möchten. Hierfür wurde den Teilnehmenden unter anderem eine Aufwandentschädigung für jede Ratssitzung, an der sie teilnahmen, ausgezahlt. Gleichzeitig sollten die Teilnehmenden den Bezirk insgesamt nach Alter, Geschlecht, Migrationserfahrung und Bildungshintergrund abbilden („Mini-Marzahn“). Hierfür müssen entsprechende Ressourcen bereitstehen (siehe „Erkenntnisse“).
Alle relevanten Akteure (z. B. Fachabteilungen der Verwaltung, einschlägige Zivilgesellschaft) sollten frühzeitig und umfassend eingebunden werden. Zudem ist es bei allen Beteiligungsverfahren entscheidend, über genügend Verhandlungs- und Spielräume zu verfügen. Den Teilnehmenden sollte hier klar sein, was ihre jeweiligen Aufgaben sind und wie mit ihren Vorschlägen und Antworten weiterverfahren wird.
Bei dem Beteiligungsprozess hat sich auch das Losverfahren für Teilnehmende des Bürgerrates bewährt, da hier auch Bürger*innen ausgewählt wurden, die üblicherweise als “beteiligungsfern” gelten.