Stadt Bremen - Sozialgerechte Klimaanpassung im Quartier

Im Rahmen der klimaangepassten Stadterneuerung der Freien Hansestadt Bremen wurden für die Stadtteile Gröpelingen und Kattenturm jeweils Potenzialstudien zur Klimaanpassung erarbeitet. Die Studie für Kattenturm (Mai 2024 bis März 2025) entwickelte auf Basis klimatischer und sozialer Raumanalysen Maßnahmen für ein klimaangepasstes Quartier und bereitete konkrete Umsetzungsschritte vor. Dabei standen besonders vulnerable Bevölkerungsgruppen im Fokus: Kinder und Jugendliche, ältere Menschen, Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen sowie Haushalte mit geringem Einkommen.

Beteiligung Eltern jüngerer Kinder an der KiTa Stichnathstraße ("Idee für Kaffee") (Quelle: proloco)

Beteiligung Eltern jüngerer Kinder an der KiTa Stichnathstraße ("Idee für Kaffee") (Quelle: proloco)

Jugendbeteiligung: Ergebnisvorstellung des Gymnasium Links der Weser (Quelle: proloco)

Jugendbeteiligung: Ergebnisvorstellung des Gymnasium Links der Weser (Quelle: proloco)

Jugendbeteiligung: Rundgang mit Schüler*innen des Gymnasium Links der Weser (Quelle: proloco)

Jugendbeteiligung: Rundgang mit Schüler*innen des Gymnasium Links der Weser (Quelle: proloco)

Synthesekarte zur Umwelt- und Klimagerechtigkeit (Quelle: bgmr)

Synthesekarte zur Umwelt- und Klimagerechtigkeit (Quelle: bgmr)

Förderprogramm
Die Senatorin für Bau, Mobilität und Stadtentwicklung (SBMS) – Städtebauförderung, Programm „Sozialer Zusammenhalt“
Laufzeitbeginn
05/2024
Laufzeitende
03/2025
Name der Gebietskörperschaft / Einrichtung
Freie Hansestadt Bremen
Bundesland
Bremen

Ziele und Aktivitäten

Motivation

Im 2023 beschlossenen Integrierten Entwicklungskonzept (IEK) für Kattenturm ist Klimaanpassung ein Schwerpunkt im Handlungsfeld „Kattenturm klimaangepasst und grün". Die „Potenzialstudie Klimaanpassung in Kattenturm" ist eine der im IEK aufgeführten Maßnahmen und wird aus Mitteln der Städtebauförderung finanziert. Impuls für die klimaangepasste Stadterneuerung war die Novellierung der Verwaltungsvereinbarung Städtebauförderung (2020), die eine stärkere Berücksichtigung von Klimaanpassung in Fördergebieten vorsieht. Kattenturm weist eine hohe räumliche Übereinstimmung zwischen sozial benachteiligten Quartieren, erhöhtem Klimaanpassungsbedarf und Fördergebieten der Städtebauförderung auf.

Spezifikation

Besonders vulnerable Bevölkerungsgruppen stehen im Mittelpunkt der Studie. Methodisch konnte dabei auf den Grundlagen der Pilotstudie für Gröpelingen (Dezember 2021 bis Dezember 2023) aufgebaut werden, bei der klimatisch besonders betroffene Räume identifiziert und stadtteilspezifische Anpassungsmaßnahmen für unterschiedliche Stadtstrukturtypen abgeleitet wurden. Die Methoden, Beteiligungsformate und Erfahrungen flossen direkt in die Arbeit für Kattenturm ein. Um ortsspezifische Herausforderungen und Potenziale herauszuarbeiten, wurden statistischen Daten zur Altersstruktur, sozialen Benachteiligung und der Verteilung sensibler Bevölkerungsgruppen wie älterer Menschen, Kinder oder Personen mit Behinderungen ausgewertet. Darüber hinaus wurden Orte mit schlechter Erreichbarkeit von Grün- und Spielflächen sowie hitzebelastete Bereiche dargestellt. Diese Ergebnisse wurden ergänzt um vorhandene grüne Potenziale im Stadtteil und in einer Synthese zusammengeführt. Um konkrete Maßnahmen für ein klimaangepasstes, vitales Quartier zu entwickeln wurden die Bewohner*innen sowie lokale Akteure aktiv eingebunden. Als Ergebnis liegt ein Handlungskonzept vor, das klimatische und soziale Raumanalysen verbindet. 

Ziele und Meilensteine:

  • Identifikation der ortsspezifische Herausforderungen, Potenziale und Ziele für die Klimaanpassung in Kattenturm 
  • Entwicklung von Maßnahmen und Instrumenten für ein klimaangepasstes, vitales Quartier
  • Für ausgewählte Räume Schritte und Umbaumaßnahmen zur Klimaanpassung skizzieren (Planungserfordernisse, Maßnahmen, Zuständigkeiten, Kosten) 
  • Umsetzungsmöglichkeiten mit Bewohner*innen des Stadtteils, lokalen Akteuren sowie Fachressorts und -ämtern analysieren und gemeinsam Maßnahmen priorisieren 
  • (Mikro-)Maßnahmen mit Bewohner*innen und lokalen Akteuren entwickeln und konkretisieren 
  • Möglichkeiten aufzeigen, wie Aspekte der Klimaanpassung bei der Umsetzung des IEK stärker berücksichtigt werden können 
Kooperation und Vernetzung

Die klimaangepasste Stadterneuerung in Bremen ist als enge Kooperation zwischen dem Referat „Anpassung an den Klimawandel" der Senatorin für Umwelt, Klima und Wissenschaft (SUKW) und dem Referat „Stadtumbau" der Senatorin für Bau, Mobilität und Stadtentwicklung (SBMS) angelegt, um Klimaanpassung systematisch in die Gebiete der Städtebauförderung zu integrieren.

Die Klimaanpassung in Kattenturm wird von Anfang an als kooperativer Prozess gestaltet. In allen Projektphasen finden verschiedene Beteiligungsformate statt – sowohl für Fachleute aus Verwaltung, Institutionen und Wirtschaft als auch für Bürger*innen und lokale Akteure.

Erkenntnisse

Projektergebnisse

Als vorbildliche Einzelmaßnahme der Potenzialstudie wurde die klimaangepasste Umgestaltung einer Kita in Kattenturm ausgewählt, da dieses Beispiel Beteiligung, soziale Zielgruppenorientierung und Klimaanpassung auf exemplarische Weise verbindet. Im Mittelpunkt stehen Kinder als besonders hitzevulnerable Gruppe. Das Außengelände der Kita dient als konkreter Umsetzungsraum, in dem Hitzeschutz und Aufenthaltsqualität gemeinsam gedacht werden. Um die Bedarfe der Nutzerinnen und Nutzer frühzeitig einzubeziehen, wurde ein Social-Design-Prozess mit Gesprächen, Workshops und Klima-Mapping unter Einbindung von Kindern, Eltern und pädagogischen Fachkräften durchgeführt. Auf dieser Grundlage entstand ein Umgestaltungskonzept für das Außengelände. Die Finanzierung ist dabei zweigleisig angelegt: Die Planungsphase wird über die Städtebauförderung getragen, während die konkrete Umsetzung über ein landeseigenes Klimaanpassungsprogramm finanziert wird – ein Modell, das auch für andere Kommunen als Blaupause dienen kann. Die bauliche Umsetzung ist für 2027 geplant; die bisherigen Vorarbeiten dienen bereits jetzt als gutes Praxisbeispiel für partizipative Klimaanpassung. 

Herausforderungen

Bevor Maßnahmen geplant werden können, muss oft erst mühsam ermittelt werden, wer für welche Flächen oder Gebäude verantwortlich ist. Hinzu kommt, dass Klimaanpassung in sozial belasteten Quartieren häufig nicht die dringlichste Priorität darstellt – unmittelbare soziale Problemlagen dominieren den Alltag der Bewohner*innen und der Verwaltung. Gleichwohl zeigt die Erfahrung aus Kattenturm, dass grundsätzliche Akzeptanz für Klimaanpassungsmaßnahmen vorhanden ist, sobald deren konkreter Nutzen erkennbar wird. Dieser Nutzen muss aktiv kommuniziert werden: Klimaanpassung darf nicht als abstraktes Zukunftsthema oder „Schreckgespenst" auftreten, sondern muss im Alltag der Menschen verankert sein. Selbst dort, wo der Grundsatz stimmt, können Einzelmaßnahmen auf Widerstand stoßen: Baumpflanzungen im Straßenraum etwa scheitern gelegentlich am „Not in my backyard"-Effekt, wenn Anwohner*innen Laub oder Verschattung als Belastung empfinden. Solche Konflikte lassen sich durch frühzeitige Beteiligung und transparente Kommunikation über Nutzen und Kompromisse abmildern.

Erkenntnisse

Ein zentraler Erfolgsfaktor des Projekts ist die frühzeitige Verankerung in der Städtebauförderung. Wer Klimaanpassung in Fördergebieten umsetzen will, sollte so früh wie möglich andocken und bestehende Quartiersstrukturen als Vermittlungs- und Zugangsstruktur nutzen. Über diese Netzwerke lassen sich Maßnahmen gezielt in die Umsetzung bringen und die Akzeptanz in der Bevölkerung stärken. Entscheidend ist dabei eine institutionell verankerte Schnittstellenfunktion wie eine Fachreferent*in, die zwischen Stadtumbau- und Klimaressort vermittelt, verhindert, dass Klimaanpassungsbelange im Verwaltungsalltag untergehen. Kattenturm zeigt zudem, wie wertvoll der Transfer aus Vorgängerprojekten ist. Methoden, Beteiligungsformate und Erfahrungen aus der Pilotstudie in Gröpelingen wurden direkt übernommen und weiterentwickelt. Für die Finanzierung empfiehlt sich die Kombination verschiedener Programme: Während die Städtebauförderung Planung und Konzeptentwicklung trägt, können ergänzende Landesprogramme die konkrete Umsetzung finanzieren. Diese Verzahnung sollte von Anfang an mitgedacht werden. Als Einstieg in den Prozess haben sich konkrete Pilotmaßnahmen bewährt, denn diese machen Klimaanpassung sichtbar und greifbar, schaffen Vertrauen bei Bewohner*innen und lokalen Akteuren und ebnen den Weg für weitere Schritte.

Content Lotse


zurücksetzen
Klimaanpassung für:
Aktionsfelder:
Betroffenheit oder Vorsorge für:
Tags:

Starten Sie, indem Sie auf die Buttons klicken…