bbw Südhessen klimafit - Klimaanpassungskonzept und -maßnahmen im partizipativen Beteiligungsprozess

Das Projekt „bbw klimafit“ bündelt alle Aktivitäten im Bereich Klimaanpassung und Nachhaltigkeit des bbw Südhessen. Hierzu gehören u.a. Aktionstage, Sensibilisierungsmaßnahmen und verschiedene Aktivitäten zur Entwicklung hin zu einem nachhaltigen Campus.

Unter dem Label „bbw klimafit“ wurde gemeinsam mit Teilnehmenden, Mitarbeitenden und weiteren – zum Teil auch externen – Akteur*innen ein standortspezifisches Klimaanpassungskonzept für den Campus in Karben entwickelt. Im Mittelpunkt der Konzepterstellung stand ein ko-kreativer Beteiligungsprozess, an dem insbesondere die Teilnehmenden des bbw, junge Menschen mit unterschiedlichen Förderbedarfen, aktiv mitwirkten.  

Viele der gemeinsam entwickelten Maßnahmen aus dem Klimaanpassungskonzept sind bereits in Umsetzung oder für die nächsten Jahre in (Vor-)Planung. Einige geeignete Maßnahmen wurden im Rahmen eines ersten „GreenSocialDay“ als partizipativem grünen Aktionstag von Teilnehmenden und Mitarbeitenden praktisch umgesetzt.  

Eine große Gruppe von Leuten ist zu sehen, die alle jubeln oder die Arme in die Höhe reißen. Vorne rechts ist eine Hecke und links ist ein Baum. Rechts im Hintergrund ist ein Haus.

Teilnehmende und Mitarbeitende am GreenSocialDay. Quelle: bbw Südhessen

Vier Leute stehen hinter einem Hochbeet und lachen.

Hochbeetgestaltung am GreenSocialDay. Quelle: bbw Südhessen

Rechts ist ein großer Baum. Schräg dahinter steht eine kleine Gruppe von Leuten, die etwas in den Boden bauen. Im Hintergrund sind Bäume, Hecken und ein kleines Gebäude.

Schattenoase am GreenSocialDay. Quelle: bbw Südhessen

Förderprogramm
Klimaanpassung in sozialen Einrichtungen (AnpaSo), Förderschwerpunkt 1
Laufzeitbeginn
09/2024
Laufzeitende
08/2025
Name der Gebietskörperschaft / Einrichtung
Berufsbildungswerk Südhessen
Bundesland
Hessen

Ziele und Aktivitäten

Motivation

Der Campus des bbw Südhessen ist bereits heute von den Folgen des Klimawandels stark betroffen. Im Sommer heizen sich Werkstätten und Unterrichtsräume stark auf. Gleichzeitig kommt es infolge von Starkregen bereits zu Überflutungen auf dem Gelände und in Gebäuden. Anhaltende Trockenheit schwächt den Baumbestand und Stürme haben bereits Bäume beschädigt oder umgestürzt. Viele Wege über den weitläufigen Campus verfügen zudem nur über wenig Schatten. 

Als Berufsbildungswerk hat das bbw Südhessen den bildungspolitischen Auftrag, junge Menschen mit Unterstützungsbedarf auszubilden oder auf eine Ausbildung vorzubereiten sowie beim Übergang ins Arbeitsleben zu unterstützen. Daher trägt das bbw Südhessen eine besondere Verantwortung für den Schutz der dort lernenden und arbeitenden Menschen.  

Ziel des Klimaanpassungskonzeptes war es, zu Beginn die standortspezifischen Klimarisiken systematisch zu erfassen und gemeinsam Maßnahmen zu entwickeln, die den bbw-Campus langfristig klimaresilient gestalten. 

Die Umsetzung des Projektes erfolgt unter dem Leitmotto „Klimaanpassung ist eine Gemeinschaftsaufgabe“. Mitarbeitende, Teilnehmende und weitere Akteur*innen brachten und bringen ihre Erfahrungen und Ideen in den gesamten Erstellungs- und Umsetzungsprozess ein. So werden Maßnahmen entwickelt und umgesetzt, die auf den tatsächlichen Bedarfen vor Ort basieren und von den partizipativ Beteiligten mitgetragen werden. 

Spezifikation

Übergeordnetes Ziel war es, das bbw Südhessen auf die Herausforderungen des Klimawandels vorzubereiten. Dafür sollten in einem Klimaanpassungskonzept die klimatischen Risiken systematisch erfasst und bewertet werden. Zusätzlich sollte ein Maßnahmenkatalog entwickelt werden, der im bbw Südhessen langfristig umgesetzt wird. 

Ausgangspunkt war eine umfassende Bestandsaufnahme der klimatischen Risiken auf dem Campus. Darauf aufbauend wurden in verschiedenen Beteiligungsformaten Betroffenheiten identifiziert, Ideen entwickelt und Maßnahmen priorisiert. Fachliche, wissenschaftliche Analysen wurden dabei mit den Alltagserfahrungen der Menschen auf dem Campus verbunden. 

Das Ergebnis ist ein standortspezifisches Klimaanpassungskonzept mit einem ausführlichen, partizipativ entwickelten Maßnahmenkatalog, der sowohl bauliche und ökologische Maßnahmen als auch organisatorische und soziale Maßnahmen umfasst. Schwerpunkt sind Lösungen zur Minderung von Hitzebelastung, zur klimaangepassten Gestaltung der Außenflächen, zum Umgang mit Starkregen sowie zur Nutzung von Regenwasser. 

Meilensteine 

  • Auswahl eines externen Dienstleisters für die fachliche Beratung und Begleitung 
  • Kick-off-Veranstaltung mit ausgewählten Beteiligten 
  • Analyse der Klimarisiken und Betroffenheiten auf dem Campus 
  • Aktive und konsequente Beteiligung von Teilnehmenden, Mitarbeitenden und weiteren internen und externen Akteur*innen 
  • Entwicklung, Bewertung und Priorisierung konkreter Klimaanpassungsmaßnahmen 
  • Erstellung eines standortspezifischen Klimaanpassungskonzeptes 
  • Umsetzung diverser Maßnahmen aus dem Maßnahmenkatalog laut erarbeitetem Zeitplan (10-Jahres-Planung) 
  • Umsetzung von geeigneten Maßnahmen im partizipativen Ansatz, z. B. mit neuem Beteiligungsformat „GreenSocialDay“, einem grünen Aktionstag (2026 finanziert über Eigenmittel) 

Der GreenSocialDay, der aus Eigenmitteln- und Leistungen des bbw Südhessen finanziert wird, ist dabei ein zentrales Beteiligungsformat. Er macht Klimaanpassung praktisch erlebbar und bietet Teilnehmenden und Mitarbeitenden die Möglichkeit, die im Konzept entwickelten Maßnahmen gemeinsam umzusetzen. 2026 beispielsweise mit der Schaffung einer Schattenoase, Anlegung und Bepflanzung einer Kräuterspirale (für Nutzung in den Ausbildungsbereichen Hauswirtschaft und Küche), Bepflanzung von Hochbeeten mit Insektenfreundlichen Pflanzen oder dem Bau von Nistkästen. 

Kooperation und Vernetzung

Die Erstellung des Klimaanpassungskonzeptes erfolgte in enger Zusammenarbeit mit der GreenAdapt – Gesellschaft für Klimaanpassung mbH, die das bbw Südhessen fachlich begleitete. Die Projektsteuerung lag im Bereich „Entwicklung neuer Leistungsangebote & Fördermittelmanagement“ des bbw Südhessen. Zur Begleitung des Projektes wurde eine interne Projektgruppe eingerichtet. In ihr arbeiteten Vertreter*innen aus Leitung, Schlüsselbereichen und verschiedenen Fachbereichen zusammen.  

Die Abstimmung der Beteiligten erfolgte in regelmäßigen Abstimmungsgesprächen, die bei Bedarf auch via Videocalls durchgeführt wurden, insbesondere zwischen der Projektsteuerung und GreenAdapt. 

Das Projekt, die Maßnahmen und Zwischenergebnisse wurden über Veröffentlichungen im Intranet des bbw sowie über Präsentationen bei Mitarbeitendenversammlungen vorgestellt.  

Ergänzt wurde der Prozess durch die kontinuierliche Mitwirkung von Teilnehmenden (u.a. durch die Teilnehmendenvertretung) und Mitarbeitenden in Workshops und weiteren Beteiligungsformaten.

Erkenntnisse

Projektergebnisse

Mit der AnpaSo-Förderung wurde ein standortspezifisches Klimaanpassungskonzept für das bbw Südhessen erstellt. Es enthält einen priorisierten Maßnahmenkatalog mit kurz-, mittel- und langfristigen Maßnahmen zur Anpassung an Hitze, Sturm, und Trockenheit sowie Kommunikations- bzw. Sozialen Maßnahmen. 

Das Konzept dient als Grundlage für die Maßnahmenumsetzung unter dem Label „bbw klimafit“. Einige Maßnahmen wie Sanierungsleistungen werden über Fachbereiche wie z. B. Infrastrukturmanagement oder Technischer Hausdienst umgesetzt. Geeignete Maßnahmen werden partizipativ über den GreenSocialDay als Aktionstag umgesetzt und zeigen so eindrucksvoll, wie Theorie in Praxis umgesetzt wird. Gleichzeitig werden Klimaanpassung und das Verantwortungsbewusstsein für nachhaltiges Handeln stärker im Ausbildungs- und Arbeitsalltag des bbw Südhessen verankert.  

Der partizipative Ansatz wird somit unmittelbar in die Praxis und gemeinsames Handeln überführt und verbindet Klimaanpassung mit den Grundprinzipien Sozialer Arbeit. So werden langfristige Veränderungsprozesse unmittelbar und nachhaltig angestoßen. 

Herausforderungen

Die größten Herausforderungen waren und sind personelle und finanzielle Kapazitäten sowie zeitliche Ressourcen. Die Erstellung des Klimaanpassungskonzeptes war ein „Kraftakt“ für das bbw Südhessen, insbesondere durch den engen zeitlichen Rahmen. Vor allem auch, weil die vielfältigen Anforderungen eines laufenden Bildungsbetriebs mit dem Konzepterstellungsprozess in Einklang gebracht werden mussten. Das bbw Südhessen hat dafür erhebliche personelle Ressourcen freigestellt, damit das Projekt erfolgreich umgesetzt werden konnte. 

Beteiligungsformate wie Workshops oder der grüne Aktionstag müssen so gestaltet werden, dass unterschiedliche Zielgruppen eingebunden werden, ohne den Ausbildungs- und Arbeitsalltag wesentlich zu beeinträchtigen. Eine große Herausforderung für das Organisations-Team, da alle Fachbereiche mit ihren jeweiligen individuellen Anforderungen berücksichtigt werden müssen. 

Die Umsetzung der Maßnahmen aus dem Klimaanpassungskonzept zeigen die finanziellen und logistischen Herausforderungen, im bbw Südhessen insbesondere durch die Vielfältigkeit der Maßnahmen mit unterschiedlichsten inhaltlichen Ausrichtungen: soziale und kommunikative Maßnahmen, grüne und graue Maßnahmen, etc. Darüber hinaus wird deutlich, dass viele Maßnahmen nur mit langfristiger Planung umgesetzt werden können (z. B. Entsiegelungen) und eine strategische Planung sowie entsprechend finanzielle und personelle Ressourcen erfordern. 

Erkenntnisse

Klimaanpassung als Unternehmensziel wirkt vor allem dann, wenn es von Beginn an auf die Gegebenheiten vor Ort mit den jeweiligen betroffenen Menschen zusammengedacht wird und eine Identifikation schafft. 

Hilfreich war es, Klimaanpassung nicht als isoliertes Infrastrukturprojekt zu betrachten, sondern mit bestehenden Strukturen und Angeboten des Unternehmens und den auf den im bbw lernenden und arbeitenden Menschen zu verknüpfen. So konnten bereits während der Konzeptphase erste Maßnahmen umgesetzt und das Thema dauerhaft im bbw Südhessen verankert werden 

Für andere soziale Einrichtungen empfiehlt es sich, Mitwirkung zu ermöglichen, frühzeitig Zuständigkeiten festzulegen, ausreichend Zeit für Abstimmungen und Vorbereitung einzuplanen und die Umsetzung einzelner Maßnahmen möglichst zeitnah zu beginnen. Sichtbare erste Erfolge erleichtern es, das Thema langfristig in der Organisation zu etablieren. Die Klärung der finanziellen und zeitlichen Ressourcen vor Projektstart sind ebenso zu empfehlen, wie die Festlegung der personellen Zuständigkeiten.

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