Stadt Braunschweig - Co-adapted - durch Co-Creation gemeinsam an den Klimawandel anpassen (COABS)
Im 2022 gestarteten Projekt ging es darum, die Anpassung an Folgen des Klimawandels ko-kreativ mit Partner:innen aus Verwaltung, Forschung und Stadtgesellschaft zu gestalten. Ziele des Projekts waren die Initiierung und Etablierung eines dauerhaft aktiven Netzwerks „Co-Adapted Braunschweig“, die Erhöhung der öffentlichen Wahrnehmung der Notwendigkeit für Klimafolgenanpassung und praktische Erfahrungen zur Maßnahmenumsetzung durch Konzeption von Klima-Pilotprojekten durch Co-Creation zu sammeln. Über drei Projektphasen hinweg wurden die Handlungsfelder „Wassermengenmanagement & Bodenwasserhaushalt“, „Mensch & Gesundheit“ und „Biodiversität & Stadtnatur“ näher betrachtet.
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Ziele und Aktivitäten
Für Deutschland, Niedersachsen und lokal vor Ort in Braunschweig können bereits langjährig höhere Jahresdurchschnittstemperaturen gemessen und klare Trends der zunehmenden Erwärmung (gegenüber der Klimareferenzperiode) nachgewiesen werden. In einer im Sommer 2023 im Zuge des Projektes COABS durchgeführten Online-Umfrage zu Klimafolgen gaben beinahe vier von fünf befragten Braunschweiger:innen an, in den letzten Jahren extreme Wetterereignisse oder anderen negative Klimawandelfolgen in ihrer Stadt wahrgenommen zu haben.
Die Stadt Braunschweig hat sich im Integrierten Stadtentwicklungskonzept (ISEK, 2018) den Auftrag gegeben, bis spätestens 2030 eine integrierte Klimafolgenanpassungsstrategie zu erarbeiten. 2026 wurde die Aufstellung kommunaler Anpassungskonzepte durch das Niedersächsische Klimaschutzgesetz (§ 26 NKlimaG) verpflichtend. Im Projekt „Co-Adapted Braunschweig: Durch Co-Creation gemeinsam an den Klimawandel anpassen“ stellten sich die Projektpartner:innen der Herausforderung, durch Co-Creation eine solche integrierte Strategie zur Anpassung an die Folgen des Klimawandels für die Stadt Braunschweig vorzubereiten. Co-Creation ist eine Form der Partizipation, bei der Bürger:innen und andere Akteur:innen aktiv an der Konzeption, Gestaltung und Organisation von Projekten teilnehmen.
In den drei aufeinanderfolgenden Projektphasen wurden für Braunschweig 1.) die jeweiligen Klimafolgen und -risiken analysiert und beschrieben, um 2.) darauf aufbauend ein zielführendes Maßnahmenportfolio zur Erhöhung der kommunalen Anpassungskapazitäten zu entwickeln sowie 3.) in exemplarischen Pilotprojekten für Klimaanpassung erste konkrete Erfahrungen zur integrierten Planung und Umsetzung von Anpassungsmaßnahmen zu sammeln.
- Gemeinsam mit Bürger:innen, Wissenschaftler:innen, der Verwaltung, Schulen sowie Vereinen und Verbänden wurden in der ersten Projektphase zunächst die Klimarisiken für Braunschweig analysiert, die im Projektreport I zusammengefasst wurden.
- Das Ergebnis der zweiten Projektphase war ein Portfolio mit 33 Maßnahmen zur Erhöhung der Anpassungskapazität, das in einem fünfteiligen Werkstattprozess ko-kreativ entwickelt wurde. Dabei wurden vor allem solche Maßnahmen fokussiert in den Blick genommen, die Synergien zum Klimaschutz und anderen Belangen des Umwelt- und Gesundheitsschutzes aufweisen. Dafür kommen vor allem naturbasierte, blau-grüne Lösungen in Frage. Mithilfe einer Bürger:innen-Beteiligung wurde zudem eine digitale Kühle-Orte-Karte erstellt.
- In der dritten Projektphase wurden Pilotprojekte für Klimaanpassung im Sinne eines Praxistransfers durchgeführt:
- das städtische Pilotprojekt, bei dem multiple Aspekte der Klimafolgenanpassung frühzeitig in die Genehmigungs- und Ausführungsplanung zur Sanierung eines Straßenraums integriert betrachtet wurden (Projektreport IIIa),
- sowie die nachbarschaftlichen Pilotprojekte mit kleinskaligen Maßnahmen zur Klimaanpassung im Braunschweiger Stadtraum durch Akteur:innen der Stadtgesellschaft (Projektreport IIIb). Hier erhielten insg. acht Projektideen von nachbarschaftlichen Initiativen, sozialen Einrichtungen Schul-AGs oder auch einzelnen Bürger:innen finanzielle sowie fachliche Begleitung und wurden bis Ende August 2025 erfolgreich umgesetzt. Die Projekte reichten von einem Hitze-Aktionstag mit Fokus auf wohnungslose Menschen bis hin zu innovativen Regenwassernutzungskonzepten mit automatisierten Bewässerungsanlagen in Kleingärten oder Schulen.
Die Projekt-Partnerinnen:
- Stadt Braunschweig, Fachbereich Umwelt
- Technische Universität Braunschweig, Institut für Geoökologie
- Technische Universität Braunschweig, Institut für nachhaltigen Städtebau
Assoziierte Partnerinnen:
- Niedersächsischer Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN)
- Leichtweiß-Institut für Wasserbau, Abt. Hydrologie, Wasserwirtschaft und Gewässerschutz
Im Rahmen einer Projektarbeitsgruppe kam das Projektteam in regelmäßigen Rücksprachen zusammen. Der ko-kreative Beteiligungsprozess integrierte verschiedene Akteursgruppen mit entsprechend unterschiedlichen methodischen Ansätzen: Die Stadtbevölkerung sollte informiert/sensibilisiert werden, aber auch durch Wissen beitragen, als Expert:innen ihrer Stadt und aktiv in nachbarschaftlichen Pilotprojekten teilnehmen (Infoflyer, Vorträge, Online-Umfrage, Foren, Kartendialog, Workshops). Wissensträger:innen aus Wissenschaft, Verwaltung und ehrenamtlich Engagierte der Stadtgesellschaft wurden in inter- und transdisziplinären Arbeitsphasen, Workshops, Foren (Abschluss- und Auftaktforum) oder Diskussionsveranstaltungen eingebunden.
Erkenntnisse
Die Ergebnisse des Projekts sind folgende:
- Netzwerkaufbau: Durch einen fünfstufigen Werkstattprozess, das Auftakt- und Abschlussforum und den COABS-Newsletter wurde das Netzwerk „Co-Adapted Braunschweig“ etabliert. Dies förderte den Wissensaustausch, die Transparenz und die langfristige Vernetzung der lokalen Akteure für Klimaanpassung.
Öffentlichkeitsarbeit: Die Erstellung einer Projekthomepage und eines Themenraums, Newsletter, Pressemitteilungen, eine Online-Umfrage zur Klimawandelbetroffenheit, die Kühle-Orte-Karte und eine geführte Fahrradtour zu den Klimapilotprojekten steigerten die Sensibilisierung der Bevölkerung für die Notwendigkeit von Klimaanpassungsmaßnahmen.
- Strategieentwicklung: Rund 150 Beteiligte erarbeiteten ko-kreativ ein Portfolio aus 33 Leitmaßnahmen sowie Zielbilder und Leitsätze. Die drei über den gesamten Projektzeitraum entstandenen Projektreporte dienen als Basis für das integrierte kommunale Anpassungskonzept.
Es entstanden konkrete Pilotprojekte zur praktischen Erprobung: Dazu gehörten eine klimaangepasste Sanierung des Straßenraums „Möhlkamp“ in der Braunschweiger Weststadt sowie acht geförderte Nachbarschaftsprojekte, die aufzeigen, wie Klimaanpassung auf kleinräumiger Ebene durch Bürgerschaftliches Engagement gestaltet werden und gelingen kann.
Überdies trägt sich der initiierte „kooperative Spirit" des COABS-Projekts auch nach Ende der Projektförderung in Braunschweig weiter fort und hat zu zahlreichen Anschlussprozessen für Klimaanpassung geführt, z.B.:
- in der Zusammenführung planungsrelevanter Daten zum Aufbau eines urbanen digitalen Basiszwillings in Braunschweig,
- der kommunalen Hitzeaktionsplanung,
- dem elaborierten Schwammstadt-Konzept zur Regenwasserleitplanung und Hitzepassung im Stadtentwicklungsgebiets Bahnstadt,
- der Teilnahme am “BlueGreen City Coaching” (BGCC),
- Beiträge und Wissenstransfer in weiteren Projekten mit wissenschaftlichem oder internationalen Kontext (Cool Cities, Umex-Hope; Urban Climate Future Lab; OpenCultures),
- oder Kooperationen im initiierten Schulgartennetzwerk.
Das COABS-Projekt für Klimafolgenanpassung ist 2019/20 im Rahmen der 1. DAS-Förderbekanntmachung als "FSP3: Kommunales Leuchtturmvorhaben für Aufbau von lokalen Kooperationen" beantragt worden. Eine verzögerte Bewilligung und der damit verbundene späte Start in 2022 führten dazu, dass das Projekt vom Gesetzgebungsverfahren zum Klimaanpassungsgesetz des Bundes (KAnG) und der nachfolgenden Gesetzgebung des Landes Niedersachsen quasi "überholt" wurde (§26 NKLimaG). Die COABS-Ergebnisse sind für die Kommune jedoch für die Aufstellung eines verpflichtenden, kommunalen Anpassungskonzept anschlussfähig. Der Kommunikationsaufwand (projekt- und verwaltungsintern sowie in Richtung Öffentlichkeit und Fördermittelgeber) war hoch. Das Erwartungsmanagement gestaltete sich oft komplex, da viele Akteure mit unterschiedlichen Interessen beteiligt waren. Vor fehlendem gesetzlichem Auftrag für Klimaanpassung gestaltete sich die integrierte Zusammenarbeit mitunter umständlich (ungeklärte Zuständigkeiten für kommunale Querschnittsaufgabe Klimafolgenanpassung), Ressourcen (Zeit, Geld, Personal) waren und bleiben knapp bemessen.
Das Projekt wies eine hohe Komplexität und zeitgleich eine große Prozessdynamik auf. Durch den Co-Creation Ansatz konnte aber ein großer Nutzen aus dem Projekt gezogen werden. Es hat sich herausgestellt, dass klare Zielabsprachen und Rollenverteilungen sowie prozessbedingte Nachjustierungen in regelmäßigen Abständen notwendig sind. Außerdem ist in der Moderation der öffentlichen Veranstaltungen ein hoher Professionalisierungsgrad unverzichtbar.