Stadt Landau – Algorithmus basiertes Versiegelungskataster
Die Stadt Landau hat gemeinsam mit der Rheinland-Pfälzischen Technischen Universität Kaiserslautern-Landau (RPTU Kaiserlautern-Landau) ein Algorithmus basiertes Versiegelungstool entwickelt, das hochaufgelöste Luftbild-Vektordaten mit städtischen Katasterdaten kombiniert. Ziel ist es, den Versiegelungsgrad präzise zu erfassen und sogenannte Hotspots zu identifizieren, was eine wichtige Grundlage für Klimaanpassungsmaßnahmen darstellt. Da bisherige Analysen aufgrund unvollständiger Daten, geringer Auflösung von Satellitenbildern und hohem personellem Aufwand fehleranfällig waren, wurde der Algorithmus durch manuelle Verifizierung schwer unterscheidbarer Bodenbeläge gezielt angelernt. Das Ergebnis ist ein leistungsfähiges Instrument, das sowohl den Grad als auch die räumliche Verteilung der Versiegelung zuverlässig abbildet und damit eine effektivere Umsetzung städtischer Klimamaßnahmen ermöglicht.
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Ziele und Aktivitäten
Die Stadt Landau liegt im Oberrheingraben und zählt damit zu den wärmsten Regionen Deutschlands, was sie besonders anfällig für Hitzeperioden und Trockenheit macht. Während 2024 noch ein vergleichsweise niederschlagsreiches Jahr war, brachte 2025 vermehrt Hitzetage sowie eine ausgeprägte Frühjahrstrockenheit, die sich spürbar auf den Vegetationsbeginn sowie auf forst- und landwirtschaftliche Flächen auswirkte. Der erhöhte Bewässerungsbedarf auf städtischen landwirtschaftlichen Flächen, im Stadtwald und bei Grünanlagen verursachte erheblichen organisatorischen und finanziellen Mehraufwand. Hinzu kommt ein großer, energetisch kaum sanierter Altbaubestand, der die sommerliche Hitzebelastung insbesondere in Dachgeschossen verstärkt. Versiegelte Flächen in der Innenstadt begünstigen zudem den Wärmeinseleffekt und mindern die Aufenthaltsqualität. Obwohl die Grundwassersituation in Landau noch relativ stabil ist, wurden bereits Niedrigwasserstände in Flüssen beobachtet. Dies ist ein deutliches Signal für die wachsende Bedeutung eines vorausschauenden Wassermanagements.
Derzeit in Umsetzung befinden sich Entsiegelungsprojekte und Baumpflanzungen. In Kooperation mit der RPTU Kaiserlautern-Landau wurde ein KI-gestütztes Tool entwickelt, das versiegelte Flächen identifiziert und für gezielte Entsiegelungen priorisiert.
Die Umsetzung der Klimaanpassungsmaßnahmen in Landau basiert auf einer engen Zusammenarbeit verschiedener Akteure innerhalb und außerhalb der Stadtverwaltung. Ein zentraler Kooperationspartner ist die Rheinland-Pfälzische Technische Universität, mit der unter anderem ein KI-gestütztes Tool zur Flächenerkennung entwickelt wurde. Studierende führten im Rahmen von Abschlussarbeiten Datenerhebungen vor Ort durch, entwickelten Algorithmen und trugen dazu bei, lückenhafte Karten zum Versiegelungsgrad zu harmonisieren und zu ergänzen.
Erkenntnisse
Das in Kooperation mit der Universität entwickelte KI-Tool zur Identifikation versiegelter Flächen wird bereits genutzt, um gezielte Entsiegelungen vorzubereiten.
Die Umsetzung von Klimaanpassungsmaßnahmen in Landau ist mit verschiedenen Herausforderungen verbunden. Eine zentrale Hürde stellt die angespannte Haushaltslage dar: Da Klimaanpassung als freiwillige kommunale Aufgabe gilt, ist die Stadt für viele Maßnahmen auf externe Fördermittel angewiesen. Dies bedeutet einen hohen administrativen Aufwand bei der Akquise. Dass Antragstellung und Umsetzung dennoch gelingen, ist vor allem der guten personellen Ausstattung zu verdanken. In Landau stehen vier Stellen für Klimaschutz und Klimaanpassung zur Verfügung. Gesetzliche Rahmenbedingungen erweisen sich dabei als zweischneidig: Einerseits helfen Vorgaben wie die EU-Wiederherstellungsverordnung und das Klimaanpassungskonzept, Maßnahmen politisch zu begründen und in Gremien durchzusetzen. Andererseits würde eine Aufnahme von Klimaanpassung in den Pflichtaufgabenkatalog der Kommunen die Finanzierung deutlich erleichtern und wird daher als wünschenswert erachtet. Auf praktischer Ebene treten zudem Konflikte bei der Flächennutzung auf. Insbesondere die Begrünung von Flächen steht häufig im Widerspruch zum Erhalt von Parkplätzen. Hier werden Kompromisslösungen wie Multifunktionsstreifen und die kreative Begrünung kleinerer Flächen erprobt, wobei Bürgerbeteiligung und transparente Information als entscheidend für die Akzeptanz gelten. Die gesellschaftliche Akzeptanz für Klimaanpassungsmaßnahmen schwankt insgesamt, insbesondere angesichts konkurrierender gesellschaftlicher Krisen. Durch Bürgerbeteiligungsformate, Informationsveranstaltungen und gezielte Kommunikation wird versucht, Verständnis und Unterstützung in der Bevölkerung zu fördern. Bisherige Analysen zur Flächenversiegelung waren oft fehleranfällig, da die verfügbaren Daten unvollständig waren. Die geringe Auflösung von Satellitenbildern erschwerte eine präzise Erfassung versiegelter Flächen. Zudem erforderten frühere Methoden einen hohen personellen Aufwand. Eine weitere Schwierigkeit bestand darin, dass bestimmte Bodenbeläge schwer voneinander zu unterscheiden sind und daher manuell überprüft werden mussten.
Die enge Zusammenarbeit zwischen der Stadt Landau und der Universität war entscheidend für den Erfolg des Projekts. Gute Ausgangsdaten, vor allem hochaufgelöste Luftbilder und Katasterdaten, sind die Grundlage für zuverlässige Ergebnisse. Durch das manuelle Nachprüfen schwer erkennbarer Flächen lernte das KI-Tool dazu und wurde immer genauer. Da das Tool als Open Source veröffentlicht werden soll, können auch andere Kommunen es nutzen und anpassen. Die automatische Erkennung von besonders stark versiegelten Bereichen hilft dabei, Klimaanpassungsmaßnahmen gezielt zu planen.