Landkreis Leipzig – Von der Schwammlandschaft zur Schwammstadt

Der Landkreis Leipzig entwickelt seit 2023 eine Entscheidungsgrundlage zur Anpassung an Klimafolgen im Offenland. Im Projekt GeRi „Gestaltung Resilienter Infrastrukturen“ wurde bereits für 12 Kommunen eine Risikoanalyse zu den Themen Trockenheit/Dürre sowie Starkregen/Hochwasser erstellt. Ziel im Folgeprojekt „Schwammlandschaft“ ist es nun, mithilfe von GIS-gestützten Analysen Flächen konkret zu identifizieren, die sowohl besonders anfällig für Trockenheit und Starkregen sind, als auch für praktische Maßnahmen wie Versickerungsmulden, dezentrale Verwaltungen und Regenrückhaltebecken gut geeignet sind.  

Resilienzanalyse Trockenheit Partheland (Quelle: Landkreis Leipzig)

Resilienzanalyse Trockenheit Partheland (Quelle: Landkreis Leipzig)

Vulnerabilitätsanalyse Starkregen Schleenhain (Quelle: Landkreis Leipzig)

Vulnerabilitätsanalyse Starkregen Schleenhain (Quelle: Landkreis Leipzig)

Förderprogramm
Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG). Finanzierung als Projektbestandteil im Kompetenzzentrum Klima (https://www.klima.sachsen.de/kompetenzzentrum-klima-26679.html)
Laufzeitbeginn
01/2026
Name der Gebietskörperschaft / Einrichtung
Landkreis Leipzig
Bundesland
Sachsen

Ziele und Aktivitäten

Motivation

Der Landkreis Leipzig steht, wie viele andere Regionen, vor der Herausforderung, sowohl längere Trockenphasen mit Dürre als auch Überflutungen nach Starkregen bewältigen zu müssen. Diese Belastungen werden zusätzlich durch die Folgen des Braunkohlebergbaus, der Trinkwasserentnahme und des Kiesabbaus verstärkt, sodass die Lage des Wasserhaushalts besonders kritisch erscheint. Um dieser Situation zu begegnen, soll das Konzept der Schwammstadt auf die Landschaft übertragen werden: Erst durch die Schwammlandschaft wird die Schwammstadt konsequent zu Ende gedacht. Niederschlagswasser soll gezielt an geeigneten Flächen im Offenland zurückgehalten und zur Versickerung gebracht werden, um die Wasserbilanz nachhaltig zu stabilisieren. Auf diese Weise lassen sich Siedlungsgebiete weitgehend vor Hochwasser, Trockenheit und anderen wasserbedingten Risiken schützen. Der Landkreis Leipzig verfolgt daher das Ziel, eine fundierte Entscheidungsgrundlage zu erarbeiten, mit der seine Gemeinden sowie die Landnutzer künftig wirksam unterstützt werden können. 

Spezifikation

Das Projekt setzt auf eine technische und planerische Herangehensweise, um die Wasser- und Klimafolgen im Landkreis systematisch zu bewältigen. Der Fokus liegt dabei auf Flächen im Offenland. 

Vorgehensweise und Meilensteine: 

  • Datenerhebung & Analyse: GIS-gestützte Kartierung von Flächen mit hoher Versiegelung, Trockenstress oder Überflutungsrisiko unter Verwendung öffentlich zugänglicher Daten und Kartenmaterialien (insbesondere hydrologische Daten) 
  • Vulnerabilitätsbewertung: Flächendeckende Bewertung der Vulnerabilität gegenüber Trockenheit durch Dürren und gegenüber Starkregen 
  • Planung technischer Maßnahmen: Entwicklung von Konzepten für Versickerungsmulden, dezentrale Verwallungen (ggf. kombiniert mit Erosionsschutzmaßnahmen), Regenrückhaltebecken, dauerhafte Begrünung zum Schutz vor Bodenerosion 
  • Wiedervernässung organischer Böden: Als „no-regret-Maßnahme" zur Verknüpfung von Klimaschutz und Klimaanpassung (Böden als CO2-Senken) 
  • Pilotprojekte: Erprobung einzelner Maßnahmen in ausgewählten Gemeinden und mit Landwirten/Flächeneigentümern 
  • Zwischenergebnisse: Erstellung von Handlungskarten, Bewertung der Wirksamkeit der Maßnahmen, Ableitung von Standards für die kommunale Praxis
Kooperation und Vernetzung

Für die Umsetzung des Projektes haben verschiedene kommunale Ressorts wie Umwelt- und Klimaschutz, Bau- und Planung sowie Landwirtschaft und Wasserwirtschaft eng zusammengearbeitet. Ergänzt wurde dies durch externe Partner*innen wie Landwirt*innen, Flächeneigentümer*innen, Ingenieurbüros und wissenschaftliche Einrichtungen sowie Unternehmen aus den Bereichen Wasserwirtschaft und Landschaftsbau. 

Erkenntnisse

Projektergebnisse

Das Projekt zur Entwicklung von Schwammlandschaften im Landkreis Leipzig hat bereits wichtige Fortschritte erzielt:  

  • Die Ideenskizze wurde im September 2025 im Wettbewerb des Kompetenzzentrums Klima ausgezeichnet  
  • Detaillierte Flächenanalysen zur Identifikation besonders gefährdeter Gebiete laufen derzeit 

Erwarteter Mehrwert:  

  • Verringerung des Oberflächenabflusses durch allmähliche Wasserabgabe 
  • Vorbeugung von Ernteausfällen  
  • Förderung der Grundwasseranreicherung  
  • Langfristige Sicherung der Landwirtschaft  
  • Erhalt von Artenvielfalt und Landschaftsqualität  
  • Schutz der Nahrungsmittelproduktion Die vollständige Umsetzung steht noch aus. 
Herausforderungen

Unklar ist derzeit die tatsächliche Umsetzungsperspektive der ermittelten Maßnahmen, da in der Regel sowohl eine komplexe formelle Situation zu erwarten ist (wasserrechtliche Genehmigung o.ä.), als auch eine Vielzahl an Grundstückseigentümer einbezogen werden müssen. Außerdem ist zu erwarten, dass eine Anpassung der Landnutzung oder gar stellenweise Landnutzungsaufgabe besondere Zeit- und Abstimmungsbedarfe mit sich bringt. 

Erkenntnisse

Innovativer Ansatz – Verknüpfung von Klimaschutz und Klimaanpassung:  

  • Böden als wichtigste terrestrische Kohlenstoffsenken nutzen 
  • Gezielte Wiedervernässung organischer Böden als „no-regret-Maßnahme" 
  • Erosionsschutzmaßnahmen fördern die Widerstandsfähigkeit und CO2-Speicherfunktion des Bodens  

Übertragbarkeit:  

  • Das Projekt kann methodisch auf andere Landkreise übertragen werden 
  • Nutzung öffentlich zugänglicher Daten ermöglicht breite Anwendbarkeit

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