Interview mit Guido Spohr

Klimaanpassungsmanager Stadtverwaltung Erfurt, Umwelt- und Naturschutzamt Abt. Strategische Umweltplanung und Nachhaltigkeitsmanagement

8 Fragen – 8 Antworten

1. Wo arbeiten und wirken Sie?

Landeshauptstadt Erfurt. Sie liegt als dichte und kompakte Stadt in einer doppelten Tallage im Thüringer und Erfurter Becken.

2. Wie sind Sie Klimaanpassungsmanager*in geworden?

Stellenausschreibung für das BMBF-Forschungsprojekt "HeatResilientCity" seitens der Landeshauptstadt Erfurt und somit Wechsel aus dem Bereich Klimaschutz in die Klimaanpassung (zuvor Klimaschutzbeauftragter und Stadtplaner in Bad Hersfeld). Die Stelle ist zu 100 Prozent durch das BMBF gefördert.

Klimaanpassungsmanager Guido Spohr

Guido Spohr,
Stadtverwaltung Erfurt,
Umwelt- und Naturschutzamt Abt. Strategische Umweltplanung und Nachhaltigkeitsmanagement

Klimaanpassungsmanager Guido Spohr

3. Mit welchen Herausforderungen der Klimakrise ist Ihre Kommune konfrontiert?

Erfurt wird sonniger, trockener- und wärmer. Lange Wärme- und Trockenperioden sind bereits im Frühjahr zu erkennen. Mit dem Hitzesommer 2018 stellen sich zusätzlich auch extreme Hitzeperioden ein, die bis zu 38 Grad am Flughafen (DWD-Station) und 41,5 Grad erreichten (20. Juli 2022). Die jährlichen Niederschlagsmengen orientieren sich in den letzten Jahren zwischen 350 -500 mm. Auch aktuell ist die Stadtmit einer langanhaltenden Dürre konfrontiert. Starkregenereignisse sind jedoch nicht zu unterschätzen, wie es das letzte von 2013 mit Überflutungen gezeigt hat.

4. Welche Klimaanpassungsmaßnahmen wurden oder werden noch in Ihrer Kommune umgesetzt?

  • Pflanzungen von klimaresilientem Stadtgrün (bspw. Erfurter Oststadt im Rahmen des BMBF-Forschungsprojekts HeatResilientCity oder am Berliner Platz, Südpark, Park Hirschgarten, Berücksichtigung gering invasiver und allergener Arten und Sorten).
  • Bau von Hochhäusern mit vertikaler und horizontaler Begrünung (Wir-Quartier)
  • Umbau der Hauptverkehrsstraße Clara-Zetkin-Straße von 4-2 Spuren, Verkehrsberuhigung und Begrünung der "neuen" Straßen mit dem Ziel einer erheblichen Lärmreduzierung und einer klimafreundlichen begrünten "Clara" mit hoher Aufenthaltsqualität
  • Bewässerung von öffentlichen Parkanlagen mit digital und stadtklimatisch gesteuerten Bewässerungssystemen (Tröpfchenbewässerung), bspw. Berliner Platz, Nördl. Geraaue oder Birkenhain am Gothaer Plat
  • Aufstellung eines Maßnahmenkatalogs zur Klimaanpassung und Beschluss im Stadtrat 2018
  • Erarbeitung eines klimagerechten Flächenmanagements mit der Darstellung einer Klimaschutzzonen- und Klimafunktionskarte/Planungshinweiskarte
  • Aufstellung eines Hitzeaktionsplans seit Juni 2020 (u.a. Erstellung Hitze-Portal auf erfurt.de/hitze sowie in 2021 Erarbeitung eines Maßnahmenkatalogs und Beginn Netzwerkbildung zur Umsetzung des Maßnahmenkatalogs)
  • Erfurter Stadtgrünkonzept (Erfurter Stadtgrün im Klimawandel), Aufstellung eines quartiersbezogenen Pflanzkonzepts mit detaillierten Pflanzvorschlägen basierend auf den jeweiligen baulichen, stadtklimatischen und bodenrelevanten Gegebenheiten
  • Teilnahme am BMBF-Forschungsprojekt "HeatResilientCity" sowie am BMBF-Forschungsprojekt "InfraUrban" und Infra-Urban-E.
  • usw.

5. Was sind Ihre wichtigsten Aufgaben als Klimaanpassungsmanager*in Ihrer Kommune?

Sensibilisieren, informieren, aktivieren, beteiligen, kooperieren, Rückschläge verarbeiten, Hemmnisse aufarbeiten, Herausforderungen lokalisieren und…..dann geht es wieder von vorne los.

Wichtige ist eine hohe Auffassung komplexer Zusammenhänge und der Aktivierung der jeweiligen Akteure. Die Klimaanpassung ist querschnittsorientiert und nichts kann alleine bewältigt werden. Daher ist eine zielgerichtetes Projekt- und Prozessmanagement unerlässlich. Moderationsfähigkeiten inbegriffen. Man muss bspw. wissen, dass gut ein Dutzend relevanter Ämter in vier unterschiedlichen Dezernaten untergebracht sind.

6. Welches sind die größten Herausforderungen im Arbeitsalltag?

Alleine in der Verwaltung in Erfurt ist das Thema in gut einem Dutzend Verwaltungseinheiten und vier Dezernaten aufgehoben. Dies zeigt den extremen Querschnitt. Der Arbeitsalltag zeigt auch, dass man immer wieder fachliche Ansatzpunkte aus unterschiedlichen und nicht selten komplexen Zusammenhängen durchdringen muss. Nicht selten sind dabei mehrere Akteure gefragt, um die Querschnittsorientierung darzustellen.

Auch das Thema Verständnis für das Thema ist ein alltägliches Anliegen: Brauchen wir das? Nicht noch ein neues Thema?! In vielen Bereichen ist auch die Umsetzung ein großes Thema, da Kommunen nicht immer und überall eine maßgebliche rechtliche Hoheit über die Umsetzung haben, siehe bspw. Baugenehmigungsverfahren, Bauleitverfahren über vorhabenbezogene Bebauungspläne, Klimaanpassungsmaßnahmen in Quartieren mit hohem baukulturellen Wert oder im Bereich von Denkmalschutz, Erhaltungs- oder Gestaltungs- sowie sehr alten Sanierungsatzungen usw.

7. Welche Fähigkeiten und Eigenschaften braucht eine Klimaanpassungsmanager*in?

  • hohe Vernetzungskompetenz
  • Vermittlungs- und Verständigungskompetenz
  • hohe Kommunikationskompetenz
  • hohe Anforderung an die eigene Geduld
  • Zielorientierung
  • Beharrlichkeit
  • Fähigkeit, komplizierte Sachverhalte einfach sprachlich darstellen zu können (bürgerorientiert).
  • Motto: Steter Tropfen höhlt den Stein

8. Wenn Sie sich als Klimaanpassungsmanager*in etwas wünschen könnten, was wäre das?

  • Weiterer Ausbau und Verstetigung des Zentrums für Klimaanpassung als bundesweite Beratungs- und Vernetzungsstelle.
  • Verbesserung und Verstetigung dieses Angebots mit Landeseinheit, wie in Thüringen das TLUBN.
  • Wenn nötig, Komplettförderung von Klimaanpassungsmanager*innen für finanziell schwache Gemeinden.
  • Förderung hier auch Öffnen für Planungs- und Ingenieurbüros, die auch kleine Städte und Gemeinden betreuen und unterstützen können.
  • Steigerung der Dauer der Förderung Klimaanpassungsmanger*innen auf mind. 5 Jahre. Nur so können auch wirklich Ergebnisse "eingefahren werden".

Im Auftrag des:

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