Stadt Essen - Umgestaltung in klimaangepasstes Wohngebiet

Ein historisch gewachsenes Wohngebiet in Essen-Altenessen aus den 40er-Jahren wurde durch Modernisierung und Neubau mit Blick auf den demografischen Wandel zu einem vielfältigen Wohnquartier für alle Generationen ausgebaut.

VIVAWEST Johanniskirchgärten, Essen

Foto: Zukunftsinitiative Klima.Werk / EGLV

VIVAWEST Johanniskirchgärten, Essen

Foto: Zukunftsinitiative Klima.Werk / EGLV

Förderprogramm
Zukunftsvereinbarung Regenwasser
Themenfeld
Alte Menschen
Graue Infrastruktur
Grüne Infrastruktur
Hitze und Trockenheit
Kinder und Jugendliche
Stadtplanung
Überflutung
Name der Gebietskörperschaft / Einrichtung
VIVAWEST
Bundesland
Nordrhein-Westfalen

Ziele und Aktivitäten

Motivation

Regenwassermanagement/ Regenwassernutzung sorgt für gestalterische Akzente, deutliche Wohnumfeldverbesserung und ein gesundes Mikroklima. Die Mieter profitieren zudem von niedrigeren Mietnebenkosten, da keine Abwassergebühren für das Regenwasser anfallen. Zudem hilft der natürliche Umgang mit Regenwasser als "Überflutungsvorsorge" bei Starkregen.

Spezifikation

Das gestalterische Highlight ist der „Garten der Generationen“ – ein gemeinschaftlicher Freiraumbereich mit vielfältigen Angeboten zur nachbarschaftlichen Begegnung. Regenwasser wird in flache Mulden auf dem Gelände geleitet, in denen es versickern kann. Von den Dächern gelangt es durch offene Bodenrinnen in ein bepflanztes Wasserbecken. Dieser Dauerstaubereich und die angrenzenden Versickerungsflächen gestalten die Siedlung auf ganz besondere Art und Weise. Ein weiteres Plus: Das Regenwasser wird so dem natürlichen Wasserkreislauf zugeführt.

Die ersten beiden Bauabschnitte waren 2009 bzw. 2011 fertig gestellt, der dritte Bauabschnitt war im Mai 2014 einzugsbereit. Dabei wurden 12 Gebäude modernisiert und neun Neubauten erstellt. Insgesamt entstanden 99 neue Wohneinheiten.

Im vierten und letzten Bauabschnitt entstanden 2015 zehn Einfamilienhäuser (Kettenhäuser nach dem Prinzip „Haus–Garage– Haus“), die aufgrund der Bodenverhältnisse auf den Grundstücken nicht in das Regenwasserkonzept einbezogen werden konnten.

Kooperation und Vernetzung

Die Stadt Essen hat das Vorhaben – unter der Federführung des damaligen Amts für Umweltschutz (heute Umweltamt Essen) – mit der Unteren Wasserbehörde (heute integriert ins Umweltamt) und der Koordinierungsstelle Entwässerung (heute integriert ins Umweltamt) begleitet. 2009 wurde der erste Bauabschnitt mit dem „Wasserzeichen“ der Emschergenossenschaft ausgezeichnet.

Erkenntnisse

Projektergebnisse

Insgesamt ließen sich ca. 60 % von dem rund 3 ha großen Areal in die naturnahe Regenwasserbewirtschaftung integrieren – die Innenhöfe sowie neue Garagenhöfe im Außenbereich – und damit ca. 12.240 Kubikmeter Wasser pro Jahr von der Kanalisation fernhalten.

Herausforderungen

Der Nutzen der Regenwasserbewirtschaftung wurde von VIVAWEST Wohnen in einem Infoschreiben an die Mieter kommuniziert. Hier kamen auch besondere Anforderungen wie beispielsweise der nötige Verzicht auf bestimmte Reinigungsmittel zur Sprache. Im Dialog mit den Mietern wurde immer wieder deutlich, dass die sichtbare Wasserführung und die Wasserbecken die Bewohner für das Thema Umwelt sensibilisieren. Im Laufe der Zeit galt es, einige Wasserfallleitungen und offene Rinnen anzupassen, damit das Wasser auch bei starken Regenfällen gut geführt wird.

Bei jedem neuen Bauabschnitt klagten die Bewohner*innen in der ersten Zeit, in der die Pflanzen noch nicht sehr groß waren, über ein hohes Mückenaufkommen. Nach dem Einwachsen gab sich das jeweils – die Filterwirkung der Pflanzen funktionierte dann optimal.

Erkenntnisse

VIVAWEST ist es gelungen, mit einem breiten Mix an Wohnraum Menschen verschiedener Generationen und in unterschiedlichen Lebenslagen anzusprechen. Der soziale Nutzen des Mehrgenerationenansatzes ist deutlich spürbar: Die Nachbarschaft ist laut Aussagen der Mieter sehr harmonisch. Jeder hilft jedem, man kennt sich untereinander. Dazu trägt auch maßgeblich der vielseitig gestaltete Innenhof mit den reizvollen Elementen der Regenwasserbewirtschaftung bei. Spielflächen, zahlreiche Sitzgelegenheiten und der Nachbarschaftstreff bieten den Bewohnern gern genutzte Orte der Begegnung.

Im Auftrag des:

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