5. Vernetzungskonferenz: Zusammenfassung
2. TAG (Donnerstag, 28.11.2025) – Dialog für Klimaanpassung auf lokaler Ebene
Der Fokus des zweiten Konferenztages lag auf dem Austausch und der Vernetzung der lokalen Umsetzungsebene und richtete sich exklusiv an Vertreter*innen aus Kommunen und sozialen Einrichtungen. Der Moderator Marcus Andreas begrüßte die 197 Teilnehmenden und führten durch das Tagesprogramm.
Den thematischen Einstieg machte Vera Engelmann (ZKA) mit einem Überblick über die Aktivitäten des Zentrums KlimaAnpassung im Jahr 2025 und einem Ausblick auf 2026.
Hier gelangen Sie zur Präsentation von Vera Engelmann.
Praxisbeispiele
Als nächstes wurden unter dem Dachthema „Klimaanpassung digital, vernetzt und effizient – Lösungsansätze aus der Praxis von Kommunen und sozialen Einrichtungen“ konkrete Ansätze vorgestellt, wie Klimaanpassung in Verwaltungen und Organisationen verankert und mit digitalen Instrumenten unterstützt werden kann.
Unter dem Titel „Klimaanpassung als Querschnittsthema in der Verwaltung“ präsentierten Lisa Junghans (Kompetenzzentrum Wasser Berlin) und Alexandra Heitplatz (Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen, Smart Water) ein Smart-City-Modellprojekt, in dessen Rahmen drei digitale Prototypen entwickelt werden: der BGI-Planer zur Bündelung räumlicher Daten, Modellierungen und Planungswissens, ein Game, mit dem das Schwammstadt-Prinzip spielerisch erfahrbar wird, sowie ein Infoportal für Starkregen mit offen zugänglicher Gefährdungskarte. Sie stellten Erfolgsfaktoren wie eine zweijährige Konzeptionsphase mit intensiver Einbindung von Fachämtern und nutzerorientierter Tool-Entwicklung heraus, beschrieben aber auch Herausforderungen wie Kapazitätsengpässe in Verwaltungen, Fragen des Datenschutzes und starre Prozessstrukturen, die agile Arbeitsweisen erschweren. In der Diskussion standen u. a. Datengrundlagen, Open-Source-Fragen, Anschlussmöglichkeiten an den „Digitalen Zwilling“ und der Mehrwert der Werkzeuge für die Praxis im Vordergrund.
Hier gelangen Sie zur Präsentation von Lisa Junghans und Alexandra Heitplatz. Hier zur Videoaufzeichnung.
Im Praxisbeispiel „Klimaanpassung trifft Digitalisierung – Einbindung von Klimadaten und Digitalen Zwillingen in der Verwaltung“ stellte Dr. Christine Pohl (Stadt Wuppertal) den urbanen digitalen Zwilling Wuppertal vor. Sie definierte den digitalen Zwilling als mehr als ein Stadtmodell oder GIS – nämlich als eine dynamische Daten- und Szenarienplattform mit Partizipationsmöglichkeiten – und zeigte Anwendungen wie Stadtklimaanalyse, ein intuitives Geoportal, 3D-Hochwasser-Darstellungen auf Basis der Landesgefahrenkarten, KI-gestützte Klimasimulationen sowie ein Bodenfeuchte-Messnetzwerk für die Bewässerung von Stadtbäumen. Am Beispiel des „Baum-Zwillings“ wurde deutlich, wie Ressourcenmanagement, Open Data und Beteiligung zusammenspielen. Zugleich skizzierte sie den Entwicklungsprozess mit Forschungskooperationen (u. a. zu semantischen Technologien und Satellitendaten) sowie die Bedeutung von Changemanagement, modularer Entwicklung und datenschutzsensiblen Lösungen in der Verwaltung.
Hier gelangen Sie zur Präsentation von Dr. Christine Pohl. Hier zur Videoaufzeichnung.
Unter dem Titel „Klimaanpassungsnetzwerke in Aktion“ wurde schließlich gezeigt wie formelle Netzwerke kommunale Akteure und soziale Einrichtungen bei der Klimaanpassung unterstützen können. Simone Podschun (ZKA) stellte den Aufbau und die Begleitung von Netzwerken durch das ZKA vor. Im Anschluss ging Katharina Gräfe (Evangelisches Werk für Diakonie und Entwicklung e. V.) auf das 2025 gegründete KABS Netzwerk ein. Die Vernetzung der KABS bietet ihren Mitgliedern einen klaren Mehrwert, indem sie Zugang zu aktuellem Fachwissen und praktischen Erfahrungen schafft sowie gegenseitiges Lernen und Unterstützung bei konkreten Problemen ermöglicht. Organisiert wird das Netzwerk über regelmäßige Treffen und thematische Workshops, die alle zwei Monate digital stattfinden, ergänzt durch eine digitale Austauschplattform (ZKA-Community) und thematische Arbeitsgruppen.
Hier gelangen Sie zur Präsentation von Simone Podschun. Hier gelangen Sie zur Präsentation von Katharina Gräfe.
Open Space
Im Anschluss folgten durch die Teilnehmenden selbst organisierte Open Space Sessions. Nachfolgend finden sich die Themen und eine Kurzzusammenfassung.
Bürgerbeteiligung: Bürgerbeteiligung erfolgt über unterschiedliche Formate – von digitalen Instrumenten wie einer Beteiligungs-App (z. B. im Ostallgäu) bis hin zu niederschwelligen Angeboten wie Kabarett-Abenden oder Baumverschenkaktionen, die Aufmerksamkeit und Dialog fördern. Dabei sind Sichtbarkeit, Geduld und eine gewisse „Resistenz“ in politischen Beteiligungsprozessen ebenso wichtig wie eine klare Kommunikation zu Veranstaltungen.
Soziale Einrichtungen: Für soziale Einrichtungen spielen neben der Förderrichtlinie AnPaSo auch Landesprogramme und Möglichkeiten ohne Förderung eine Rolle, etwa durch eigene Klimaanpassungskonzepte und Beteiligungsverfahren. Zentrale Themen sind die Verfügbarkeit von Daten und Informationen sowie eine gute Anbindung an Kommunen und Klimaanpassungsmanager*innen, die als Brücke fungieren können.
Katastrophenschutz und Bevölkerungsschutz: Im Katastrophen- und Bevölkerungsschutz stehen die Sicherung der Handlungsfähigkeit und die enge Zusammenarbeit zwischen Katastrophenschutzbehörden und anderen Verwaltungsbereichen im Vordergrund. Gute Praxisbeispiele wie das Hitzetelefon der Stadt Köln zeigen, wie Bürgersensibilisierung konkret umgesetzt werden kann.
Klimavermittlung und Überzeugungsarbeit: Klimavermittlung in Verwaltungen erfordert Selbstbewusstsein, das durch das Klimaanpassungsgesetz gestärkt werden kann, sowie die Haltung, Klimaanpassung als gemeinsames Thema über Ressortgrenzen hinweg zu bearbeiten. Wertschätzende 1:1-Gespräche, fachgebietsspezifische Anknüpfungspunkte und nachvollziehbare Kosten-Nutzen-Argumente – idealerweise auch quantitativ – sind dabei zentrale Elemente der Überzeugungsarbeit.
Naturbasierte Lösungen: Bei naturbasierten Lösungen sind Unterhaltung und Pflege neuer Maßnahmen, etwa durch ehrenamtliche Patenschaften zum Gießen, ebenso entscheidend wie die Koordination zwischen verschiedenen Ämtern. Bilanzvergleiche, z. B. zwischen Baumfällungen und Neupflanzungen, helfen, Zielkonflikte sichtbar zu machen und die Wirkung von Maßnahmen besser einzuordnen.
Kleine Kommunen und kurze Wege: In kleinen Landkreisen und Verbandsgemeinden können kurze Wege und ein enger persönlicher Kontakt Vorteile bringen, während Energiemanagement mit Sensorik den Arbeitsalltag deutlich erleichtert. Gleichzeitig bewegen sich Klimaanpassungsmanager*innen dort in einem Spannungsfeld kurzfristig gedachter Maßnahmen; Formate wie Hitzebildspaziergänge, Klimarallyes oder sichtbare Initiativen (z. B. „Klima-Logo Klimaneutral 2024“) unterstützen Bewusstsein und Beteiligung.
Hier gelangen Sie zur Dokumentation der Ergebnisse als PDF.
Die Konferenz endete mit einer Zusammenfassung durch den Moderator und der Vorstellung des Konferenz Teams