WdKA-Botschafterin Prof. Dr. Lisa Schipper

Dr. Lisa Schipper ist Professorin für Geographische Entwicklungsforschung an der Universität Bonn und Expertin für Klimaanpassung auf internationaler Ebene. Sie war eine der koordinierenden Leitautoren des sechsten Sachstandsberichts 2023 des Weltklimarates (IPCC) und befasst sich intensiv mit Klimawandelfolgen und Verwundbarkeiten.

Im Mittelpunkt ihrer Forschung steht die Frage, warum Menschen im Globalen Süden besonders anfällig für den Klimawandel sind, sowie die Hindernisse und fördernden Faktoren, die ihre Anpassung an den Klimawandel beeinflussen. Ihr besonderes Interesse gilt den soziokulturellen Dimensionen der Anfälligkeit, darunter Geschlecht, Kultur und Religion, sowie strukturellen Fragen im Zusammenhang mit Macht, Gerechtigkeit und Gleichheit. Ihre neuesten Publikationen befassen sich mit transformativer Anpassung sowie der sozialen Folgen von Anpassungsnarrativen.

WdKA Botschafterin: Lisa Schipper

ZKA: Was bewegt Sie dazu, sich als Botschafterin der Woche der Klimaanpassung zu engagieren? 

Lisa Schipper: Zu Beginn meiner Forschungslaufbahn dachten nur sehr wenige Menschen über Anpassung nach. Es wurde sogar davon abgeraten, das Thema überhaupt anzusprechen, da dies als Ablenkung von den dringend notwendigen Bemühungen zur Reduzierung von Treibhausgasemissionen hätte ausgelegt werden können. Heute stellt sich die Situation anders dar – unter anderem deshalb, weil wir auf Anpassung angewiesen sind, da es uns nicht gelungen ist, die Emissionen zu senken. Ich sehe meine Aufgabe darin, vor den Risiken einer Fehlanpassung zu warnen und Entscheidungsträger sowie die Bevölkerung daran zu erinnern, dass auch der Anpassung Grenzen gesetzt sind. Sie ist zwar notwendig, kann uns jedoch nicht vollständig vor den Auswirkungen des Klimawandels bewahren.

Wie wird die Anpassung an den Klimawandel derzeit auf internationaler Ebene diskutiert, und welche Bedeutung haben diese Debatten für die Arbeit der Kommunen in Deutschland?

Ein zentrales Thema der weltweiten Diskussion ist die Frage, wie sichergestellt werden kann, dass Investitionen und Bemühungen zur Anpassung tatsächlich Wirkung zeigen. Im Namen der Anpassung werden oft Maßnahmen ergriffen, die tiefgreifende Einschnitte im Leben der Menschen bedeuten, etwa zwangsweise Umsiedlungen. Wenn wir den Menschen so viel abverlangen, müssen wir auch aufzeigen, dass sich dies positiv auf ihre Lebensqualität auswirkt. Leider scheinen viele Anpassungsstrategien kaum Wirkung zu zeigen; in einigen Fällen erhöhen sie sogar die Verwundbarkeit der Menschen – ein Phänomen, das als „Fehlanpassung“ (Maladaptation) bezeichnet wird. Zwar sind uns viele der Ursachen für Fehlanpassungen bekannt, doch lassen sie sich nur schwer angehen, da sie eng mit den institutionellen Strukturen und den Governance-Systemen der meisten Länder verknüpft sind. Auch die kommunalen Anpassungsmaßnahmen in Deutschland werden vor diesen Herausforderungen nicht gefeit sein.

Was ist erforderlich, um die Anpassung an den Klimawandel in Deutschland künftig noch effektiver zu gestalten?

Da eine wirksame Anpassung untrennbar mit der Reduzierung von Treibhausgasemissionen verbunden ist, muss sich in Deutschland die Erkenntnis durchsetzen, dass beide Aspekte Hand in Hand gehen. Zudem gilt es, sich mit potenziell erforderlichen, drastischen Anpassungsmaßnahmen auseinanderzusetzen und Wege zu finden, diese der Öffentlichkeit zu vermitteln. Ich halte es zudem für problematisch, die Klimadebatte von anderen Themenfeldern – etwa Agrarsubventionen oder Fragen der Sicherheitspolitik – zu entkoppeln. All diese Themen müssen als miteinander verknüpft betrachtet werden; andernfalls könnten Anpassungsmaßnahmen im Widerspruch zu politischen Strategien in diesen anderen kritischen Bereichen stehen.

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