Prof. Dr. Claudia Traidl-Hoffmann
Prof. Dr. Claudia Traidl-Hoffmann zählt zu den führenden Umweltmedizinerinnen Deutschlands und engagiert sich erneut als Botschafterin der Woche der Klimaanpassung 2026. In ihrer Rolle als Professorin an der Universität Augsburg und Direktorin mehrerer Umweltmedizininstitute erforscht sie, wie Umweltfaktoren und insbesondere der Klimawandel unsere Gesundheit beeinflussen. Ihr zentrales Anliegen: Präventionsstrategien und Maßnahmen zu entwickeln, die die Resilienz der Gesellschaft stärken. Als Mitglied im Wissenschaftlichen Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU) bringt sie ihre umweltmedizinische Expertise in die wissenschaftliche Politikberatung der Bundesregierung ein und arbeitet daran, zukunftsfähige Handlungsempfehlungen zu formulieren.
Warum ist Klimaanpassung aus Ihrer Sicht eine zentrale Zukunftsaufgabe für eine widerstandsfähige und gesunde Gesellschaft?
Prof. C.T.-H.: Klimaanpassung ist die Anpassung unserer Gesellschaft an tiefgreifende Umweltveränderungen. Sie ist deshalb nicht nur eine Umweltaufgabe, sondern eine zentrale Aufgabe des Gesundheits-, Bevölkerungs- und Katastrophenschutzes. Die heißen Tage und Wochen dieses Sommers haben eindrucksvoll gezeigt, wie unmittelbar Extremwetterereignisse unsere Gesundheit, unsere Infrastruktur und unseren gesellschaftlichen Zusammenhalt gefährden. Klimaanpassung stärkt Resilienz – körperlich, psychisch und sozial – und ist damit eine wesentliche Voraussetzung für eine gesunde und widerstandsfähige Demokratie.
Wie können wissenschaftliche Erkenntnisse dazu beitragen, Klimaanpassung politisch entschlossener und gesellschaftlich wirksamer voranzubringen?
Prof. C.T.-H.: Wissenschaft liefert die Grundlage für wirksame und zielgerichtete Klimaanpassung. Sie macht Risiken sichtbar, entwickelt Lösungen und zeigt, welche Maßnahmen tatsächlich wirken. Entscheidend ist jedoch, dass wissenschaftliche Erkenntnisse frühzeitig in politische Entscheidungen einfließen und verständlich kommuniziert werden. Dafür braucht es einen kontinuierlichen Dialog zwischen Wissenschaft, Politik und Gesellschaft sowie überzeugende Narrative, die verdeutlichen, dass Klimaanpassung Gesundheit schützt und Sicherheit schafft.
Welche Prioritäten sollte Deutschland jetzt setzen, um Klimaanpassung vorausschauend, gerecht und gesundheitsorientiert umzusetzen?
Prof. C.T.-H.: Klimaanpassung muss wieder eine politische Priorität werden. Gleichzeitig dürfen Klimaanpassung, Klimaschutz, Biodiversitätsschutz und die Reduktion der Umweltverschmutzung nicht getrennt gedacht werden. Nur wenn diese Bereiche gemeinsam betrachtet werden, entstehen langfristig wirksame und gerechte Lösungen. Gesundheit sollte dabei zum zentralen Maßstab politischen Handelns werden – national ebenso wie mit Blick auf die internationalen Diskussionen, beispielsweise im Rahmen der COP31.
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