Stadt Königswinter - Klima-Forschungs-Kita "Die Kleinen Strolche"

Die Kita “Die kleinen Strolche” des Vereins Kind Aktiv e.V. wurde zur Klima-Forschungs-Kita umgebaut. Unter aktiver Einbeziehung der Kinder wurde der Außenbereich der Kita klimaresilient, naturnah und pädagogisch nutzbar umgestaltet. Das Projekt zeigt exemplarisch, wie Klimaanpassung, Biodiversitätsförderung und frühkindliche Bildung wirkungsvoll miteinander verbunden werden können. 

Verschiedene Menschen arbeiten an und neben der Holz-Pergola. Im Vordergrund ist ein begrünter Bereich zu sehen.

Elterneinsatz an der Forscherlaube. Quelle: Johst KindAktiv e. V.

Spielzeuge liegen in einem schattigen Sandkasten. Kinder spielen in dem Sand.

Spielen im Schatten. Quelle: Johst KindAktiv e. V.

Ein mit Kies und Sand gefüllter Bereich umgeben von Sträuchern und Wildblumen. Holzelemente bieten einen Rahmen.

Das Sandarium im Südhof. Quelle: Johst KindAktiv e. V.

Förderprogramm
AnpaSo –Förderschwerpunkt 2, Förderkennzeichen: 67APS1741
Themenfeld
Bevölkerungsschutz und Gesundheit
Grüne Infrastruktur
Hitze und Trockenheit
Kinder und Jugendliche
Partizipation, Bildung
Laufzeitbeginn
06/2024
Laufzeitende
11/2025
Name der Gebietskörperschaft / Einrichtung
Königswinter
Bundesland
Nordrhein-Westfalen

Ziele und Aktivitäten

Motivation

Auch in der Kita “Die kleinen Strolche” sind klimatische Belastungen immer öfter und stärker spürbar. Insbesondere sommerliche Hitze war eine Herausforderung, da es viele versiegelte Flächen gab, die sich aufheizten und wirkungsvolle Verschattung fehlte. Der Außenbereich war nicht naturnah gestaltet, wodurch eine geringe ökologische Vielfalt vorlag. Diese Faktoren schränkten das Wohlbefinden der Kinder ein und erschwerten den pädagogischen Alltag.

Spezifikation

Aufgrund dieser Ausgangslage sollte das Außengeländer der Kita umgestaltet werden. Ziel der Umgestaltung war eine Anpassung an die zunehmenden Hitzeperioden, eine Förderung der Biodiversität und die Schaffung eines Umfeldes, in dem die Kinder täglich Natur- und Lernerfahrungen machen können. Die Projektentwicklung erfolgte in verschiedenen, aufeinander aufbauenden Schritten. 

Zu Beginn wurde eine Bedarfsermittlung durchgeführt. Dafür wurden die bestehenden klimatischen Problemlagen analysiert. Hieraus ergab sich der Fokus auf die Hitzeentwicklung, die Bodenversiegelung, fehlende Versickerungsmöglichkeiten und den Mangel an schattigen Aufenthaltsbereichen. Zudem wurden verschiedene Akteur:innen eingebunden für die Formulierung von Bedarfen und die Entwicklung von Ideen. So führte beispielsweise ein Diplom-Biologe eine ökologische Bestandsaufnahme durch und machte daraufhin Vorschläge zur Auswahl geeigneter Pflanzen und für Konzepte von biodiversitätsfördernden Elementen. Auch das Kita-Team und die Eltern wurden im Rahmen von Workshops und Austauschrunden aktiv in den Planungsprozess eingebunden. Dadurch konnten praktische Anforderungen des Kita-Alltags und die Wünsche und Ideen der Familien berücksichtigt werden.  

Auf Basis der Bedarfsanalyse erfolgte daraufhin die Antragstellung und Planung für den Umbau des Außenbereichs. Die gemeinsam entwickelten Zielsetzungen, die geplanten Maßnahmen, die Kosten und der Zeitplan wurden konkretisiert und der Förderantrag konnte gestellt werden.  

Bei der Auswahl und Umsetzung der Maßnahmen wurden bestimmte Aspekte priorisiert. Hierzu zählen die Klimarelevanz und der Beitrag zur Anpassung an Hitze und Starkregen, die Sicherheit und Einhaltung der Kita-Auflagen, das Kosten-Nutzen-Verhältnis sowie der pädagogische Mehrwert.  

Nach detaillierter Bestandsaufnahme von Bodenbeschaffenheit, Vegetation, Mikroklima und sicherheitsrelevanten Aspekten erfolgte die Umsetzung der Maßnahmen. Diese umfassen beispielsweise das Bauen eines “Forschungslabors”, das aus einer Holzpergola mit Kletterpflanzen besteht, Böschungskanten als Hangbefestigung und ein Sandarium. Der Garten soll durch Regenwassernutzung mithilfe einer Zisterne und Tröpfchenbewässerung auch an heißen und trockenen Tagen effektiv und wassersparend feucht gehalten werden können.  

Über den gesamten Prozess hinweg wurden auch die Kinder selbst beteiligt und pädagogische eingebunden. So wurden Ihre Ideen und Wünsche gesammelt, es gab gemeinsame Pflanzaktionen und begleitende naturpädagogische Angebote.  

Kooperation und Vernetzung

Für die Umsetzung der Maßnahmen waren verschiedene Akteur:innen beteiligt. Vonseiten der Kita waren das der Träger Kind Aktiv e. V., die Kita-Leitung das pädagogische Team sowie die Kinder und Eltern. Zudem beteiligt waren ein externer Diplom-Biologe, das Gartenbauunternehmen Rekowski Gartenbau GmbH sowie die Naturprojekt-Partner Gartenklima Rhein & Sieg.

Erkenntnisse

Projektergebnisse

Die geplanten Maßnahmen konnten umgesetzt werden. So ist eine Reduzierung von Hitze und eine Verbesserung des Mikroklimas durch neue Schattenbereiche und eine naturnahe Bepflanzung mit heimischen Stauden und Wildblumen spürbar. Die Biodiversität konnte gefördert werden durch das Anlegen des Sandariums für Wildbienen, den Einsatz von Totholzstrukturen sowie vielfältige, standortgerechte Pflanzen. Verschiedene angepflanzte Obstsorten können geerntet werden und erweitern die Naturräume. Auch der Wasserhaushalt des Geländes wurde verbessert. Dies geschieht durch eine Erweiterung der Versickerungsfähigen Flächen, eine geringere Bodenverdichtung und das Anlegen einer Zisterne zur Nutzung von Regenwasser in Form von Tröpfchenbewässerung. Vor allem die Kinder profitieren von zahlreichen neuen, naturnahen Spiel- und Lernräumen, die auch ideal als Entdeckungs- oder Rückzugsorte fungieren können.  

Das Außengelände kann im Kita-Alltag aktiv genutzt werden. Dabei dient es nicht nur als Spiel- und Aufenthaltsbereich, sondern auch als Möglichkeit den Kindern Umweltbewusstsein zu vermitteln. Hierzu werden zum Beispiel Naturtagebücher geführt, Pflanzen und Insekten werden beobachtet oder es gibt thematische Projekte zu Klima, Natur und Jahreszeiten.  

Für eine langfristige Sicherung der Wirkung ist eine regelmäßige Pflege und jährliche Überprüfung der Maßnahmen vorgesehen. 

Herausforderungen

Zentrale Herausforderungen sind die langjährige Finanzierung der Anlage und die Sensibilisierung aller Beteiligten für die Notwendigkeit von Klimaanpassungsmaßnahmen. Herausfordernd war zudem die benötigte, detaillierte und intensive Planung der baulichen Umsetzungen. Dabei waren besonders die Koordination und Organisation aller beteiligten Akteur*innen außerordentlich fordernd. Hierbei war es vor allem schwierig, ein geeignetes Gartenbauunternehmen zu finden, das die strengen Auflagen für die Gestaltung von Kita-Geländen erfüllen konnte.  

Erkenntnisse

Das Projekt verdeutlicht, dass ein ganzheitlicher, interdisziplinärer Ansatz essenziell ist, um nachhaltig eine Veränderung zu bewirken. Dabei muss besonders betont werden, dass Klimaanpassung nicht nur aus grauen und grünen baulichen Maßnahmen besteht. Besonders wichtig sind hierbei auch die weichen Maßnahmen wie pädagogische Konzepte, die ein Bewusstsein für Umwelt- und Klimaschutz schaffen.  

Speziell die aktive Einbindung der Kinder war eine wertvolle Erfahrung. Während des Projektes wurde festgestellt, dass die Kinder ein tieferes Verständnis für ökologische Zusammenhänge entwickelt haben und eine größere Verantwortung für nachhaltiges Handeln übernommen haben, da sie ihre Umgebung selbst mitgestalten konnten. Hierdurch werden Lernprozesse und Umweltbewusstsein nachhaltig gefördert. Kinder sind hierbei auch Multiplikator*innen für nachhaltiges Handeln und Bewusstsein, da sie ihr neues Wissen mit in die Familien nehmen.  

Eine weitere Erkenntnis war, dass der Erfolg eines solchen Projektes maßgeblich von der Zusammenarbeit mit externen Partner:innen abhängig ist. Durch die Interdisziplinarität und Vielzahl der verschiedenen Beteiligten und Kooperierenden, kann die Umsetzung erleichtert werden. Dabei bringen Umweltorganisationen, wissenschaftliche Einrichtungen und städtische Behörden wertvolle Fachkenntnisse, Ressourcen und Netzwerke ein. Ein regelmäßiger Austausch und die Einbindung verschiedener Perspektiven ermöglichen es, innovative Lösungen zu entwickeln und langfristige Strukturen zu schaffen. 

Das Projekt zeigt, dass Klimaanpassung in Kindertagesstätten praxisnah und erfolgreich umsetzbar ist, wenn Planung, Fachwissen und Beteiligung zusammenspielen. Die Kinder erleben Natur heute täglich und unmittelbar. Gleichzeitig werden Bewusstsein, Umweltkompetenz und Resilienz bereits im frühen Kindesalter gestärkt. Das Praxisbeispiel aus Königswinter verdeutlicht, dass soziale Einrichtungen eine wichtige Rolle in der kommunalen Klimaanpassung einnehmen können – mit Mehrwerten für Klima, Biodiversität und Bildung gleichermaßen.