Stadt Kerpen - Anpassung an die Folgen des Klimwandels als Reallabor Kolpingstadt Kerpen im Rheinischen Revier (ARKE)

Die Kolpingstadt Kerpen arbeitete zusammen mit der Technischen Hochschule (TH) Köln, um im Rahmen eines Reallabors ein Klimaanpassungskonzept zu erstellen. Dafür werden Stadtklima- und Betroffenheitsanalysen erstellt, um die konkrete Gefährdung durch Folgen des Klimawandels festzustellen. Durch die Analysen konnten lokalspezifische Maßnahmen für eine gegenwärtige und zukünftige Anpassung identifiziert und erstellt werden. Insgesamt bestehen die Ergebnisse des Projektes aus einem umfangreichen Rahmenkonzept mit 22 Maßnahmen, einer Stadtklimaanalyse mit einer Planungshinweiskarte und einem separaten Handlungskonzept zur städtebaulichen Klimaanpassung inkl. ebenfalls 22 Maßnahmen, einer Leitkarte zur Klimaanpassung und einem Entwurfsbaukasten.

Raum gefüllt mit Menschen, die um einen Tisch stehen und sich die Poster an der Wand anschauen. Das zentrale Poster trägt den "Titel Maßnahmen für die Klimaanpassung in Kerpen" auf dem bereits einige Post-its eingeklebt sind.

Erarbeitung möglicher Anpassungsmaßnahmen mit verschiedenen Akteur:innen. Quelle: Kolpingstadt Kerpen

Abgemähtes Feld mit Laublosen hohen Bäumen im Hintegrund.

Landschaftschutzgebiet Frenser Graben bei Kerpen. Quelle: Kolpingstadt Kerpen

Karte der Stadt Kerpen mit verschiedenen Post-Its, die anzeigen, wo eine hohe Wärmebelastung empfunden wurde.

Partizipative Karte heißer Orte in der Stadt. Quelle: Kolpingstadt Kerpen

Förderprogramm
Förderung von Maßnahmen zur Anpassung an die Folgen des Klimawandels (DAS) – Förderschwerpunkt 3: Kommunale Leuchtturmvorhaben - Förderkennzeichen 67DAS276A
Themenfeld
Bevölkerungsschutz und Gesundheit
Graue Infrastruktur
Hitze und Trockenheit
Partizipation, Bildung
Stadtplanung
Laufzeitbeginn
04/2023
Laufzeitende
06/2026
Name der Gebietskörperschaft / Einrichtung
Stadt Kerpen
Bundesland
Nordrhein-Westfalen

Ziele und Aktivitäten

Motivation

Extremereignisse wie Starkregen, Hitzewelle, Dürreperioden oder Überschwemmungen werden durch den Klimawandel häufiger. Daher gilt es, sich auch in der Stadt Kerpen bestmöglich auf die Folgen vorzubereiten. Ein besonderer Fokus hierbei liegt auf der Land- und Forstwirtschaft sowie auf der Regional- und Bauleitplanung. Die Zusammenarbeit mit der TH Köln ermöglichte umfassende Analysen der gegenwärtigen klimatischen Situation und schließt verschiedene Zukunftsszenarien mit ein.

Spezifikation

Der Erarbeitung einer detaillierten Klimawandelanpassungsstrategie sollen umfangreiche Analysen der klimatischen Veränderungen und deren Auswirkungen zugrunde liegen. Folgender Workflow soll dies gewährleisten: 

  • Analysen des Klimawandels und der Klimavariabilität in der Vergangenheit und unter spezifischen Zukunftsszenarien
  • Stadtklimaanalyse: Kartierung der Risiken, Fokussierung, Verschneidung mit sozialen Daten (Sensitivitätskarte)
  • Öffentliche Beteiligung, Beteiligung innerhalb der Verwaltung und Beteiligung externer Expert*innen: Lokale Wissensabfrage zur Bewertung und Verortung der Klimarisiken
  • Entwicklung lokalspezifischer Maßnahmen (inklusiver Bewertungskriterien)
  • Fokus Stadtplanung/Städtebau: Erarbeitung eines Handlungskonzeptes zur städtebaulichen Klimaanpassung
  • Auswahl und Umsetzung erster (nicht investiver) Pilotmaßnahmen mit anschließender Bewertung 

Die Ergebnisse der einzelnen Schritte werden ausgewertet und die nachfolgenden Aktionen dementsprechend angepasst. So konnten beispielsweise durch die Analyse die Schwerpunktthemen Hitze, Trockenheit und Starkregen gesetzt werden. Ausführlichere Informationen sind unter den Ergebnissen zu finden. 

Kooperation und Vernetzung

Die klimatische Situation der letzten Jahrzehnte wurde durch den Projektpartner TH Köln analysiert. Für die modellierten Stadtklimaanalysen auch für die verschiedenen Zukunftsszenarien („starker“ und „schwacher“ Klimawandel) wurde das Büro GEO NET Umweltconsulting beauftragt. Das Büro Must Städtebau aus Köln erstellte das Handlungskonzept zur städtebaulichen Klimaanpassung.

Da die Beteiligung verschiedener Akteursgruppen für den gesamten Prozess essenziell ist, wurde ein verwaltungsinternes Kernteam gebildet, welches sich regelmäßig trifft. Dies soll auch nach Fertigstellung fortgeführt werden. Teilnehmende sind u.a. Stadtplanung, Grünflächen, Stadtentwässerung, Gebäudemanagement und weitere. 

Externe Expert*innen wurden in Workshops beteiligt. Die Öffentlichkeit sowie die Expert*innen wurden zusätzlich online beteiligt.

Erkenntnisse

Projektergebnisse

Das Anpassungskonzept wurde am 28.04.2026 im Rat der Kolpingstadt Kerpen einstimmig beschlossen.

Die klimatischen Analysen zeigen einen Anstieg in der Durchschnittstemperatur. Obwohl bisher kein signifikanter Anstieg in den Starkregenereignissen erkennbar ist, steigt die Wahrscheinlichkeit des Auftretens mit der bereits messbaren Erwärmung. Die räumlichen Analysen ergaben ein erhöhtes Trockenheitsrisiko für einen Großteil der landwirtschaftlichen Flächen und Waldflächen. Diese Ergebnisse führten zu den Schwerpunktthemen Hitze, Starkregen und Trockenheit.  

Die Modellierungen der Zukunftsszenarien und des Ist-Zustandes wurden mit Bevölkerungsdaten verknüpft (wo liegen z. B. Kitas oder Pflegeheime, wo wohnen besonders viele Ältere) und in eine Planungshinweiskarte überführt. Die Karte gibt zum Beispiel Hinweise darauf, wo die Hitzebelastung besonders hoch ist und kann so für eine Priorisierung der Maßnahmenerstellung verwendet werden. 

Weiterhin wurden die bisherigen Klimaanpassungsmaßnahmen und bestehenden Tätigkeiten in Kerpen erfasst. Nach Einschätzung der Verwaltung zu den klimatischen Auswirkungen konnten 10 relevante Handlungsfelder festgestellt werden. Für sämtliche Handlungsfelder wurden Betroffenheitsanalysen durchgeführt, Ziele formuliert und entsprechende Maßnahmen erarbeitet. Besonders für die Entwicklung der Maßnahmen war ein reger Austausch verschiedener Akteursgruppen, insbesondere auch der Bürgerschaft, wichtig. Ein Fokus wurde auf die Stadtplanung und Stadtentwicklung gelegt und daher das handlungskonzept zur städtebaulichen Klimaanpassung erstellt. DIeses Handlungskonzept enthält 22 Maßnahmen. 

Zusätzlich enthält das Rahmenkonzept 22 weitere Maßnahmensteckbriefe bzw. Maßnahmenbündel.

Herausforderungen

Das Projekt verzögerte sich aus verschiedenen Gründen. Zum einen lagen für die klimatischen Analysen nicht alle Daten rechtzeitig vor. Zum anderen bedarf es aufgrund der hohen Interdisziplinarität des Querschnittsthemas Klimaanpassung viele verschiedene Akteure auch außerhalb der Verwaltung. Die Zuarbeit einzelner Akteure konnte – z. B. durch Personalmangel – nicht innerhalb des Zeitplans erfolgen. Zudem ist teilweise die Teilnahme an Workshops unter den Erwartungen zurückgeblieben. 

Außerdem ergab sich eine zeitliche Verzögerung, da nach der Kommunalwahl 2025 teilweise Ausschüsse zusammengelegt wurden und Sitzungen ausgefallen sind, sodass der Ratsbeschluss erst später eingeholt werden konnte als eigentlich vorgesehen.

Erkenntnisse

Beteiligung
Besonders die Beteiligung verschiedener Akteure nimmt eine Schlüsselrolle ein. Die zum Teil sehr unterschiedlichen Akteure sollten durch ein gutes Management stets aufgeklärt, mitgenommen und motiviert sein. So sollten beispielsweise die für die Umsetzung der geplanten Maßnahmen Zuständigen den Prozess von Beginn an mitbekommen, um die gesamte Situation zu verstehen.  

Bestehende Maßnahmen einbeziehen
Zudem wurde festgestellt, dass auch schon ohne Konzept Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel in Kerpen durchgeführt wurden. Dies schließt auch Maßnahmen mit ein, die trotz abweichenden fachlichen Fokus die Anpassung mit adressiert haben. Wie die Analysen gezeigt haben, reichen die bisherigen Maßnahmen allerdings nicht aus, was verdeutlicht, dass die Klimaanpassung ein kontinuierlicher Prozess ist. Bei diesem Prozess ist die enge Zusammenarbeit von Verwaltung, der Bürgerschaft und weiteren externen Akteure entscheidend.

Stadtklimaanalyse
Eine kleinräumige Stadtklimaanalyse liefert weit überzeugendere Planungsgrundlagen als allgemeine Klimaprojektionen - sowohl für die Verwaltung intern als auch in der Kommunikation mit Politik und Öffentlichkeit.

Wissenschaftlichtes Verbundsprojekt
Die Einbettung in einen wissenschaftlichen Verbund mit der TH Köln hat die fachliche Qualität gestärkt und gleichzeitig die Außenwirkung des Projekts erhäht - sowohl regional als auch überregional.