Der klimagerechte Parkplatz in Herne

2.000 Quadratmeter Pflaster heizen sich im Sommer nicht nur ziemlich auf. Auf solchen großen versiegelten Flächen kann vor allem kein Regenwasser versickern. Darum hat die Stadt Herne einen beliebten Parkplatz umgebaut – mit kühlem Grün und einem durchlässigen Boden.

Für die Umsetzung der Maßnahme des klimagerechten Parkplatzes wurden verschiedene Parkplätze in Herne geprüft und letztlich der Parkplatz „Im Sportpark“ ausgewählt. Der Parkplatz befindet sich inmitten eines heterogenen städtischen Gefüges. Nördlich grenzt die Fläche an Wohnbebauung, zudem befinden sich nördlich ein Berufskolleg sowie eine Grundschule. Im Osten befindet sich eine Sporthalle sowie dahinter gelegen das Stadion „Im Sportpark“, im Süden verläuft der dazugehörige Park. Hierbei handelt es sich um einen versiegelten Parkplatz von ca. 2.000 m², der für Sportveranstaltungen im angrenzenden Stadion und von Besucher*innen des angrenzenden Parks sowie Schüler*innen und Lehrkräfte des Berufskollegs genutzt wird.

Die Klimaanalyse der Stadt Herne (2017) weist den Parkplatz als Lastraum der hochverdichteten Innenstadt aus und im Sommer mit verstärkter Hitzeentwicklung zu rechnen ist. Dies ist vor allem hinsichtlich der Anwohner*innen an Hitzetagen zu sehen, da sich stark versiegelte Bereiche entsprechend aufheizen und zu Hitzehotspots werden.

Der Parkplatz weist ein starkes Gefälle zur Straße „Im Sportpark“ auf, so dass bei stärkeren Regenereignissen oberflächig abfließendes Niederschlagswasser zur Straße abläuft. Dies zeigt sich auch auf der städtischen Starkregengefahrenkarte, die den Bereich des Sportparks als Senke ausweist, in der Überflutungen bis zu 2m Wasserstand bei Starkregen möglich sind. Der östlich angrenzende Dorneburger Mühlenbach steht durch die Eindeichung in diesem Bereich nicht für die Aufnahme der Abflüsse zur Verfügung. Neben dem Sportpark, in dem eine Überflutung als unkritisch angesehen werden kann, sind vor allem Berufskolleg und die Grundschule potenziell durch Überflutung gefährdet.

Die Idee hinter dem klimagerechten Parkplatz ist folgende: Die versiegelte Fläche wird so umgestaltet, dass Wasser und Grün gleichermaßen berücksichtigt die Aufenthaltsqualität vor Ort verbessern. Hierzu sind verschiedene Maßnahmen erforderlich:

Es wird ein standortgerechter und klimarobuster Baum pro 5 Stellplätze gepflanzt. Das Volumen der Pflanzgruben beträgt dabei mindestens 12 m³, um den Bäumen eine möglichst gute Entwicklung zu gewähren. Die Baumstandorte werden als sogenannte Baumrigolen konzipiert. Das anfallende Niederschlagswasser des Parkplatzes wird neben der Versickerung auch für die Wasserversorgung der Bäume zur Verfügung stehen. Die Beschickung der Rigolen bzw. Muldenrigolen erfolgt über offene Rinnen. Die Stellplatzflächen werden wasserdurchlässig gestaltet, indem das bisherige Pflaster aufgenommen und durch eine versickerungsfähige Alternative ersetzt wird.  Durch entsprechende Nivellierung zu den umgebenden Straßen können klimagerechte Parkplätze auch zur temporären Zwischenspeicherung und/oder schadlosen Weiterleitung von Niederschlägen nutzbar werden, die bei Starkregen oberflächig abfließen. Nicht zuletzt ist neben der Reduzierung des Schadenspotenzials im Starkregenfall auch eine Entlastung der Kanalisation für Regenereignisse im Bereich der Bemessungsintensitäten möglich.

Durch diese Maßnahmen sind Parkplätze nicht mehr versiegelte Hitzeinseln, sondern Flächen mit kühlendem Grün und einer Rückhaltefunktion bei Starkregenereignissen.

Das Projekt wurde über die Zukunftsinitiative Klima.Werk der Emschergenossenschaft gefördert. Beteiligt waren die Fachbereiche Stadtgrün, Tiefbau und Verkehr, Umwelt und Stadtplanung und Bauordnung sowie die Stadtentwässerung Herne (SEH). Gemeinsam mit der Zukunftsinitiative Klima.Werk bestand so eine integraler und interdisziplinäre Zusammenarbeit, um das Projekt zu realisieren.

Der Startschuss für das Projekt fiel im August 2022. Innerhalb von vier Monaten wurde der Parkplatz klimagerecht umgebaut. Der erste Schritt war das Abtragen des alten Pflasters, gefolgt vom Bodenaushub und der Nivellierung des Parkplatzes. Im nächsten Schritt wurden erfolgten Kanalbauarbeiten und der Einsatz des Mulden-Rigolensystems. Nach ca. 8 Wochen konnte dann mit dem „sichtbaren“ Parkplatzbau begonnen werden: Die Pflasterung des versickerungsfähigen Belags stellte hier einen wichtigen Meilenstein dar. Der Abschluss stellte die Begrünung des Parkplatzes und insbesondere die Pflanzung der Bäume dar.

Sogenannte „Wasser.Zeichen“ (Infostelen) am Parkplatz informieren über die Zusammenarbeit der Zukunftsinitiative und das Projekt. Zudem betten die Wasser.Zeichen den klimagerechten Parkplatz in die Route des Regenwassers der Emschergenossenschaft ein.