Stadt Solingen – KLImaanpassung Solingen-Ohligs PARTizipativ gestalten (KLISOPAR)
In dem Projekt KLISOPAR (KLImaanpassung Solingen-Ohligs PARtizipativ gestalten) sollte Ohligs in Solingen zu einem lebenswerten, sicheren und zukunftsfähigen Stadtteil umgestaltet werden. Der Fokus lag hierbei auf einem partizipativen Prozess, den die Bürger:innen ko-kreativ mitgestalteten. In einem definierten Projektraum von wenigen Straßen fand eine erfolgreiche Living-Lab Phase statt. Zusätzlich wurden verschiedene Workshops, Vorträge und Beratungen angeboten.
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Ziele und Aktivitäten
Um auch in einem veränderten Klima noch sicher und gut in Solingen-Ohligs wohnen zu können, soll der Stadtteil verändert und resilienter gestaltet werden. Dabei wurden bestimmte Straßen ausgewählt, für deren Umgestaltung Bürger:innen und Stadtplaner:innen gemeinsam Ideen entwickeln sollten. Dadurch sollten Klimaanpassungsmaßnahmen entstehen, die gemeinschaftlich getragen werden. In dem Projekt war zudem ein Netzwerk zur Nachbarschaftshilfe für den Schutz von vulnerablen Anwohner:innen geplant. Außerdem wurde innerhalb des Projektes über Gesundheit und Klimawandel sowie Möglichkeiten des klimaangepassten Wohnens in verschiedenen Formaten informiert.
Ziel des Projektes ist es, die Resilienz des Stadtteils und besonders seiner Bewohner:innen gegenüber dem Klimawandel zu steigern. Für die Anpassung werden zwei Ansätze verfolgt:
Zum einen sollten Anpassungsmaßnahmen in acht Straßen des Stadtteils ko-kreativ mit den Bürger:innen geplant und umgesetzt werden, um das Stadtklima positiv zu beeinflussen. Die Beteiligung war hierbei der zentrale Aspekt und wurde durch verschiedene Formate und ein Reallabor gewährleistet. Das Reallabor ermöglicht vor allem, die angedachten Maßnahmen im Straßenraum dreidimensional erlebbar zu machen. In Workshops wurden so von Stadtplaner:innen und Bürger:innen zusammen Vorhaben für mehr Grün, eine verbesserte Regenwassernutzung, eine klimafreundlichere Gestaltung des Verkehrs und mehr öffentliche Aufenthaltsräume geplant.
Der zweite Ansatz fokussiert die Bildung und Beratung der Anwohner:innen. Dafür gab es eine Vortragsreihe zu den Themen Klimawandel und Gesundheit. Außerdem wurden Workshops veranstaltet und Beratung zum Thema klimaangepasstes Wohnen angeboten.
Ursprünglich war zusätzlich zu diesen beiden Ansätzen geplant, ein Nachbarschaftsnetzwerk für den Schutz vulnerabler Gruppen aufzubauen. Da seitens der Bürger:innen allerdings kein ausreichend großes Interesse daran vorlag, wurden hierfür Alternativen im Bereich Hitzeschutz und Vorsorge umgesetzt.
An dem Projekt arbeitet ein Team aus verschiedenen Bereichen zusammen. Es sind Mitarbeitende der Solinger Stadtdienste (Natur und Umwelt, Planung, Mobilität und Denkmalpflege, Gesundheit, Soziales, Wohnen, sowie), des Instituts für Hygiene und Public Health (IHPH) am GeoHealth Centre der Universität Bonn und der Beteiligungsorganisation Eurosoc#DIGITAL gGmbH beteiligt.
Zudem war besonders auch die Einbindung externer Akteur:innen wichtig. Vor allem für Bildungs- und Beratungsangebote wurden hierfür beispielsweise Verbraucherzentralen, die Stadtwerke, Solinger Haus und Grund, soziale Organisationen, Ärzt:innen und Apotheker:innen und das Stadteilbüro Solingen-Ohligs miteinbezogen.
Erkenntnisse
Für die Klimaanpassungsmaßnahmen in der Straßengestaltung wurden drei Workshops und vier Bauwagenaktionen mit Bürger:innen veranstaltet. Hier wurden Ideen und Wünsche gesammelt und es gab Raum für Diskussionen. Zu den Wünschen zählten unter anderem Baumscheiben, Pflanzkübel, Fahrradstellplätze, Bänke sowie Elemente der Verkehrsberuhigung. Außerdem wurde ein Living-Lab für eine Woche durchgeführt, bei dem einige Maßnahmen provisorische umgesetzt und dadurch im Straßenbild erlebbar gemacht wurden. Bei der Gestaltung waren auch maßgeblich Schüler:innen zweier Berufskollege beteiligt. Sie waren für den Bau der Baumbänke zuständig und halfen bei der Sprühaktion zur Markierung von beispielsweise Fahrradstellplätzen auf vorhanden Parkplätzen. Während des Living-Labs wurden 15 Parkplätze „belegt“, es gab zwei geführte Rundgänge und eine simultane Onlinebeteiligung. Diese stieß auf große Resonanz und es wurde Feedback zu den einzelnen Maßnahmen in den Projektstraßen gegeben. Die ausgewerteten Ergebnisse wurden Politik und Verwaltung zum Beschluss der Umsetzung vorgelegt.
Zur Information der Bürger:innen wurde eine Vortragsreihe mit acht Veranstaltungen zum Thema Klimawandel und Gesundheit abgeschlossen. Auch zum Thema “Klimaangepasstes Haus und Garten” wurden 9 Veranstaltungen umgesetzt. In begrenzter Form konnten die Kooperationspartner:innen auch individuelle Beratungen vor Ort anbieten.
Das ursprünglich geplante Nachbarschaftsnetzwerk zum Schutz vulnerabler Gruppen wurde aufgrund mangelnden Interesses seitens der Bürger:innen nicht konzipiert und umgesetzt. Daher wurden im Rahmen des Projektes alternative Maßnahmen zum Schutz dieser Gruppen beschlossen. Hierzu zählen Hitzewarnungen während Hitzeperioden auf der Homepage der Stadt Solingen, auf digitalen Stelen im gesamten Stadtraum und in den sozialen Medien. Auf der Homepage der Stadt gibt es zudem eine Informationsseite zum Thema Hitze, auf der unter anderem eine interaktive Karte der kühlen Orte durch das Projekt implementiert wurde.
Außerdem konnte mit großem Erfolg im Rahmen eines ko-kreativen Workshops gemeinsam mit der Stadtverwaltung eine Kommunikationsstrategie mit Markenbildung zum Projekt entwickelt werden.
Erfreulicherweise war die Beteiligung bei den Planungsworkshops, während der Living-Labs Phase und in den Online-Formaten sehr hoch, was einen regen und produktiven Austausch ermöglichte. Allerdings wurden dadurch in diesem Rahmen neben den geplanten Themen auch viele zusätzliche Anliegen der Bürger:innen angebracht. Hierzu zählten neben zahlreichen anderen Themen beispielsweise Anliegen zur Verkehrsberuhigung, zur verbesserten Nutzung von Flächen für die Außengastronomie und zum Aufstellen eines Gradierwerks. Hierbei war es wichtig, eine klare Kommunikation zu finden und anzuwenden – insbesondere um abzugrenzen, welche Themen unter das Projekt fallen und welche in anderen städtischen Projekten bearbeitet werden müssten. Während der Diskussionen wurde zudem deutlich, dass der Umbau des öffentlichen Raumes, insbesondere wenn es um Parkplätze geht, ein konfliktträchtiges Thema ist. Daher gilt es, ein hohes Maß an Sensibilität und Kompetenz in die Moderation einfließen zu lassen.
Ursprünglich war geplant, eine vollumfängliche Klimaanpassungsberatung für das eigene Haus anzubieten. Allerdings konnte keine Kooperationspartner:in oder keine kommunale Stelle die komplette fachliche Breite der Klimaanpassung (zum Beispiel Bauphysik, Landschaftsplanung, technische Umsetzung, Fördermittelberatung, ...) übernehmen. In dem Projekt wurde hierauf durch die Entwicklung eines thematisch breiten Portfolios von verschiedenen Akteuren reagiert. Zu den Angeboten gehören ein umfangreicher Onlinebereich, Vorträge, Vor-Ort-Begehungen in einem klimaangepassten Privathaus, Beratungen des Wohnungsamtes zu Fördermitteln, Workshops und Beratungen zu klimaresilienten Gärten und energiesparendem Wohnen sowie limitiert individuelle Vor-Ort-Beratungen über ein Gutscheinmodell.
Besonders aus den Beteiligungsformaten mit den Bürger:innen konnten viele Erkenntnisse gezogen werden. Es wurde zum Beispiel festgestellt, dass die Bürger:innen in Bereichen, in denen sie direkt betroffen sind, mitgestalten und mitverhandeln wollen. Dabei waren viele Rückmeldungen konkret und konstruktiv. Hierzu zählten zum Beispiel Standortvorschläge für Bäume und Sitzbänke, der Wunsch nach mehr Fahrradbügeln und Angebote, selbst Baumpatenschaften übernehmen zu können. Besonders hilfreich hierfür war das Format des Living-Labs, da die Bürger:innen die möglichen Veränderungen im Straßenraum direkt erleben konnten und das Zusammentreffen Raum für Gespräche und Diskussionen bot.
Weiterhin haben die Beteiligungsformate gezeigt, dass viele Diskussion im Rahmen des Projektes emotional und kontrovers waren. Das verdeutlicht, wie wichtig es ist, Raum für Dialog zu schaffen. Auch wenn nicht immer ein Konsens gefunden wurde, war der Austausch stets wertschätzend und wurde als bereichernd erlebt. Hieraus wird deutlich: Beteiligung erzeugt nicht nur Ergebnisse, sondern auch Beziehungen und Vertrauen.
Bezüglich der Kommunikation wurde deutlich, dass Einblicke in die internen Entscheidungswege Nachvollziehbarkeit und Vertrauen schaffen. Es ist also wichtig, verwaltungsinterne Abstimmungsprozesse transparent und verständlich mitzuteilen, zum Beispiel fachliche Prüfungen, Koordinierungen und Vorbehalte von politischen Beschlüssen. Dabei geht es vor allem darum, dass nicht der Eindruck entsteht, gute Ideen würden einfach “versanden”. Zudem hat die externe Expertise, eingebracht durch die Euroso#DIGITAL gGmbH, viele Projektaktivitäten und Ergebnisse erst in dieser Form möglich gemacht.
Die letzte wichtige Erkenntnis war der Gewinn aus der guten fachlichen Besetzung der Projektleitung. Das interdisziplinäre Team aus den Fachbereichen Natur und Umwelt, Mobilität und Gesundheit war eine ideale Kombination für kurze Wege und schnelle Abstimmungsprozesse. Dies wurde auch von den Bürger:innen wahrgenommen und hat maßgeblich zum Gelingen des Projektes beigetragen.