Vielfältig, verbindend, vorsorgend – Klimaanpassungsmanager*innen und ihre Rolle in der Kommune

Im Rahmen des Sofortprogramms Klimaanpassung des Bundesumweltministeriums (BMUV) hat Bundesumweltministerin Steffi Lemke die Förderung von 100 Klimaanpassungsmanager*innen in Kommunen angekündigt. Diese Personalstellen werden über das BMUV-Programm "Maßnahmen zur Anpassung an die Folgen des Klimawandels" gefördert. Weitere Informationen zur Förderrichtlinie finden Sie auf der Webseite des Projektträgers Zukunft - Umwelt - Gesellschaft (ZUG).

Eine der Aufgaben der Klimaanpassungsmanager*innen ist es, die Erstellung eines Klimaanpassungskonzepts in der Kommune zu koordinieren und umzusetzen. Damit wird Klimaanpassung nachhaltig und strategisch sinnvoll in der Kommune verankert. Die Anpassungsmanager*innen werden von den Kommunen eingestellt. Innerhalb eines gewissen Rahmens, der durch die inhaltlichen Anforderungen des Förderprogramms gesetzt wird, können die Kommunen selbst die gewünschten Qualifikationen für die Stelle festlegen. Diese können je nach Größe der Kommune, bereits vorhandener Expertise oder Schwerpunktsetzung des Konzepts durchaus variieren.

Das Zentrum KlimaAnpassung unterstützt Klimaanpassungsmanager*innen durch ein spezielles Mentoringprogramm. Zudem bietet das Zentrum KlimaAnpassung regelmäßig zweitägige Fortbildungen für Anpassungsmanager*innen an. Nach erfolgreichem Auftakt in Düsseldorf, fand die zweite Fortbildung am 12. und 13.05.22 in Erfurt statt, zwei weitere Termine folgen im Herbst 2022. Ab 2023 werden jährlich 6 Fortbildungen angeboten. Alle Termine finden Sie rechtzeitig in unserem Veranstaltungskalender.

Im engen Austausch mit den bereits aktiven Klimaanpassungsmanager*innen ergibt sich ein Einblick in ihren Arbeitsalltag und damit verbunden in die benötigten Qualifikationen und Fähigkeiten. Aus den bisherigen Erfahrungen zeigt sich, dass Klimaanpassungsmanager*innen Generalist*innen mit Fachwissen und Vernetzungskompetenzen sind. Sie führen die verschiedenen kommunalen Fachbereiche zusammen, die an der Entwicklung und Umsetzung von Anpassungsmaßnahmen beteiligt sind und agieren so als metaphorisches Verbindungsscharnier zwischen den einzelnen Fachbereichen. Wir haben im Rahmen des Fortbildungsprogramms mit zwei Teilnehmerinnen gesprochen. Wilma Großmaas bestätigt die Vernetzungs- und bewusstseinsbildende Funktion in der ressortübergreifenden Arbeit in Hamm:

 

„Meine ersten Wochen als Klimaanpassungsmanagerin bei der Stadt Hamm haben mir gezeigt: Hier muss das Rad nicht neu erfunden werden. Stattdessen baut meine Arbeit auf bestehenden Projekten mit Klimaanpassungsbezug auf. Häufig werden diese nur noch nicht als solche benannt. Eine meiner Aufgaben in der Umsetzung des Klimafolgenanpassungskonzepts ist es deshalb, bereits Bestehendes miteinander zu vernetzen, Menschen zu bereichsübergreifender Zusammenarbeit zu ermutigen und Klimaanpassung den Stellenwert einzuräumen, den sie braucht.“

Wilma Großmaas, Hamm, Nordrhein-Westfalen

 

Erforderliche Qualifikationen für die Rolle von Klimaanpassungsmanager*innen sind u.a. ein fachliches Verständnis über die Folgen und Auswirkungen der Klimakrise, Wissen zur Planung und Umsetzung von Klimaanpassungsmaßnahmen sowie Methodenkompetenzen wie Moderations-, Kommunikations-, Präsentations- und Verhandlungsfähigkeiten und Erfahrungen im Projektmanagement. Kenntnisse zur Arbeit kommunaler Verwaltungen sind ebenfalls hilfreich. Nach über einem Jahr Arbeitserfahrung als Referentin für Klimaanpassung der Stadt Göttingen, teilt Karina Schnell diese Einschätzung:

 

„Hier im Referat für nachhaltige Stadtentwicklung arbeite ich als Referentin für Klimaanpassung eng mit den Klimaschutzkolleg*innen zusammen. Klimaanpassung ist genauso wichtig wie Klimaschutz und beides sind integrale Bestandteile von Kommunalpolitik. Nur gemeinsam können wir Synergien nutzen um ressort- und fachbereichsübergreifende Fragestellungen zu lösen oder Zielkonflikte vorzubeugen. Neben Management- und Netzwerk-, sind dabei insbesondere Kommunikationsfähigkeiten gefragt.“

Karina Schell, Göttingen, Niedersachsen

 

Frau Schell ist studierte Biologin, was ihr insbesondere im Umgang mit naturbasierten Anpassungslösungen hilft. Voraussetzung ist das aber nicht. Vielmehr wird als formale Anforderung für Klimaanpassungsmanager*innen häufig ein abgeschlossenes Fach- oder Hochschulstudium (mindestens Bachelor) der Bau-, Raum- oder Ingenieurswissenschaften und/oder ein Studium mit umweltwissenschaftlichem Schwerpunkt (z.B. Umweltwissenschaften, Umwelttechnik, Umweltschutz, Geografie) oder Schwerpunkt in der Öffentlichkeitsarbeit (z.B. Public Relations, Kommunikationswissenschaften) vorausgesetzt.